Festplatten starten vielversprechend ins Q3
Das dritte Quartal fällt im Festplattenmarkt bisher besser aus, als das Vorquartal. Während der HEK für 3,5-Zoll-Laufwerke eher nach oben geht, zeigen sich 2,5-Zoll-Drives uneinheitlich. 500 GByte avancieren zur neuen Einstiegsgröße und gehört derzeit zum einzig knappen Kapazitätstyp. Der durchschnittliche VK hat in den letzten Wochen stark zugelegt.
Im 4-Wochen-Rückblick ist der HEK für Desktop-Festplatten fast durchgängig um rund vier Prozent gestiegen. Bei 2,5-Zoll-Laufwerken verzeichnen Fachhändler Spitzen in beide Richtungen. Während beispielsweise 320-GByte-Drives mit 7.200 U/min zwischen der KW 28 und KW 32 um knapp zwölf Prozent von fast 37 auf 32,50 Euro fallen, steigen schnelle 500-GByte-Disks um zirka sieben Prozent.
"Steigende Rohstoffpreise führen zum Teil zu deutlichen Preiserhöhungen seitens der Hersteller", begründet Gunnar Laase, Produktmanager HDD im Einkauf bei Devil, die aktuelle Marktlage. "Kleine Kapazitäten scheinen nun endgültig End-of-Life zu gehen, so dass 500 GByte zumindest bei 3,5 Zoll wohl demnächst die Einstiegsgröße sein wird. In dritten Quartal verzeichnen wir einen leichten Anstieg der Nachfrage gegenüber dem Vorquartal."
"Am besten verkaufen sich nach wie vor interne und externe 2,5- und 3,5-Zoll-Platten mit 500 GByte sowie Desktop-Drives mit einem und zwei TByte", ergänzt Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution. "Die Nachfrage ist weiterhin gut, bis auf 3,5-Zoll-Disks mit 500 GByte sind alle Kapazitäten gut verfügbar."
Interne 3,5-Zoll-Festplatten sind im 4-Wochen-Rückblick um bis zu fünf Prozent teurer geworden. Die Tendenz soll aber nicht anhalten, zumindest kurzfristig.
Laut Bernd Breinbauer, Regional Sales Director Zentraleuropa bei Seagate Technology, gelingt es den Herstellern relativ gut Nachfrage und Angebot auszubalancieren: "Dazu beigetragen haben auch die nach unten revidierten TAM-Zahlen (Total Available Market) für Client-Computing. Zu beobachten bleiben Produkte für den Business-Bereich. Während im Consumer-Segment die Marktzahlen nach unten revidiert werden, hält sich der Bedarf für Server-Produkte auf hohem Niveau. Unsere Empfehlung für die Händler ist, die Bestellungen bei den Distributoren für das Jahresendgeschäft zu platzieren und sich damit die Verfügbarkeit zu sichern."
Der Markt kämpft noch mit zu vielen Unwägbarkeiten wie Währungsschwankungen und wirtschaftliche Entwicklung in den Industriestaaten, die eine Einschätzung des Bedarf schwierig gestalten. "Interessanterweise beobachten wir immer wieder konträre Entwicklungen im Zusammenhang Wirtschaftswachstum versus IT-Bedarf", sagt Breinbauer. "Bei schwacher Wirtschaftsleistung (BIP) erzielten wir durchaus Rekordumsätze für IT-Produkte. Investiert der Konsument in wirtschaftlich guten Zeiten in hochpreisige Anschaffungen (Autos oder Wohnungen), begnügt er sich in wirtschaftlich schlechten Zeiten mit einen Update- oder Neukauf eines Computers." Die Industrie erfahre derzeit einen Preisanstieg von Rohmaterialien. Seagate geht daher davon aus, dass sich dieser auf die Händlerpreise niederschlagen werde.
Festplatten im Verkauf deutlich teurer
Im heise Preisradar steigt der der durchschnittliche Verkaufspreis für Festplatten und SSDs im Wochenvergleich um 7,7 Prozent auf 96,41 Euro (brutto). Gegenüber der KW 28 (80,48Euro) entspricht dies einer Preiserhöhung von fast 20 Prozent. Die meistgesuchteste Festplatte ist in der KW 32 das externe 1-TByte-Laufwerk Samsung S2 Portable HXMU010EA/G22 (74,87 Euro), gefolgt von dem 2-TByte-Drive Ecogreen F4 HD204UI (55,73 Euro), ebenfalls von Samsung.
Bei der Preisbeobachtung unterstützten uns:
Also-Actebis
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom GmbH
Ingram Micro GmbH
Kurzfristig kann der Handel von einer weiterhin guten Verfügbarkeit und Nachfrage sowie von leicht fallenden Preisen ausgehen. Ganz einig sind sich die Marktbeobachter aber nicht: Laut Distribution könnte eine allgemeine Verknappung der Ware bevorzustehen. Die Folge wären natürlich steigende Marktpreise, sofern man von einem konstanten Wechselkurs des US-Dollars ausgehen kann. Nachdem das Harddisk-Segment von den ursprünglich erwarteten Auswirkungen der Japankrise verschont blieb, fällt es vielen Resellern aber schwer an eine Allokation zu glauben. Seagate-Manager Breinbauer rechnet für das Q3 mit einer besserer Verfügbarkeit und stabilen Preisen: "Für das vierte Quartal sind Prognosen schwer zu erstellen, weil die gesamtwirtschaftlichen Faktoren, wie die momentane Finanzkrise, eine Einschätzung des Bedarf schwierig macht." (gs)