Lange Leine

Wer glaubt, die gute alte serielle „Schnitte“ sei ausgestorben, irrt sich. Sie hat sich lediglich angepasst und besetzt nun eine andere ökologische Nische. Daher besteht auch weiterhin Bedarf für Werkzeuge, mit denen sie sich bequem nutzen lässt.

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Von
  • Michael Riepe

Geht es nach den PC-Herstellern, haben „Legacy“-Schnittstellen wie RS-232 längst ausgedient. Tatsächlich findet man die typischen DB9- oder gar DB25-Anschlüsse an vielen Computern nicht mehr. Storage-Subsysteme, Ethernet- oder FC-Switches hingegen sind oft damit ausgestattet.

Außerdem taucht der gute alte UART (Universal Asynchronous Receiver/Transmitter) vielerorts in Verkleidung auf: Manche USB-Geräte sind eigentlich serielle mit einem vorgeschalteten Wandler-Chip. Mit solchen Umsetzern arbeiten auch USB-Adapter, die Rechner nachträglich mit einer seriellen Schnittstelle versehen.

Wer mit Geräten per RS-232 kommunizieren will, braucht entweder ein serielles Terminal oder ein Programm, das ein solches emuliert. Ein erfahrener Windows-Nutzer greift zum Hyperterminal – sofern er noch eins hat. In den neueren Versionen seiner Betriebssysteme hat Microsoft das Werkzeug nämlich ersatzlos gestrichen. Ersatz bietet Hilgraeve (www.hilgraeve.com) an. Allerdings kostet dort der Download der HyperTerminal Private Edition knapp 60 US-Dollar. Wer die nicht ausgeben will, kann sich eventuell mit der 30 Tage gültigen Testversion behelfen.

Serielle Verbindungen lassen sich jedoch auch mit dem SSH-Client PuTTY herstellen. Dazu muss der Anwender unter Connection type statt SSH die Einstellung Serial und anschließend den COM-Port sowie die gewünschte Geschwindigkeit wählen. Weitere Parameter kann man unter Connection/Serial ändern.

Alle Einstellungen im Blickfeld hat man bei Terminal. Da man das Programm nicht installieren muss, kann man es auch von einem USB-Stick starten. Terminal kann vordefinierte Makros senden – etwa Modem-Befehle – und besitzt eine Pascal-ähnliche Skriptsprache.

Das vor allem in Japan verbreitete Tera Term (kurz TT) spricht RS-232, Telnet und SSH, Letztere sogar per IPv6. Außer einem VT100 mit einigen Erweiterungen kann es ein Tektronix-Grafikterminal (TEK4010) emulieren. Es beherrscht Makros, UTF-8 und diverse asiatische Zeichensätze. Ein Proxy erlaubt es, vom Netz aus per HTTP, telnet oder SOCKS 4/5 auf TT zuzugreifen, wahlweise mit SSL-Verschlüsselung.

Unter Linux respektive Unix stehen zahlreiche Terminal-Emulatoren zur Auswahl. Wer mit einem der Klassiker, etwa minicom oder C-Kermit, vertraut ist, findet dort alles, was er benötigt. Insbesondere C-Kermit bietet jedoch derart viele Funktionen, dass Gelegenheitsnutzer mit dem Programm ihre Mühe haben dürften. qodem, ein Klon des DOS-Programms Qmodem, verlangt ebenfalls etwas Einarbeitungszeit.

Einfacher zu bedienen ist dterm. Das Programm sendet Eingaben an die serielle Schnittstelle und gibt empfangene Zeichen auf der Konsole aus. Das Interface und seine Arbeitsparameter muss der Nutzer auf der Kommandozeile übergeben. Im Kommandomodus, der mit der Tastenkombination Strg-] erreichbar ist, lassen sich die Einstellungen ändern und die Steuerleitungen der Schnittstelle manipulieren. Noch simpler gestrickt ist sc: Der Nutzer kann lediglich mit ~B ein Break-Signal senden oder mit ~. die Verbindung trennen. picocom arbeitet ähnlich, versteht jedoch ein paar Escape-Sequenzen mehr.

ssterm verwendet standardmäßig ein Curses-Interface. Der Anwender kann in den Daten blättern, sie sich in hexadezimaler Form ansehen oder sie in eine Datei schreiben. Die Option –s schaltet die Benutzerschnittstelle ab und verbindet die serielle Schnittstelle mit der Standardein- und -ausgabe. So lassen sich Daten, etwa von Messwertaufnehmern oder GPS-Empfängern, in eine Datei übertragen.

Grafische Schnittstellen bieten zum Beispiel die Qt4-basierten Programme CuteCom und Komport2 sowie die auf Gtk aufsetzenden gtkterm und moserial. gtkterm und Komport2 geben sich minimalistisch, eignen sich jedoch gut für den Remote-Zugriff auf eine Kommandozeile. CuteCom und moserial zeigen gesendete und empfangene Zeichen in unterschiedlichen Fenstern und können sie auf Wunsch sowohl in hexadezimaler Form darstellen als auch in einer Log-Datei verewigen. moserial erlaubt es obendrein, Einstellungen aus einer Datei zu laden.

Alle Links: www.ix.de/ix1109138 (mr)