Das Ende des Großraumbüros

Dank Tablets, Smartphones und sozialen Netzen sollen Firmen künftig keine gewöhnlichen Schreibtische mehr brauchen.

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Von
  • Tom Simonite

Dank Tablets, Smartphones und sozialen Netzen benötigen Unternehmen vielleicht schon bald keine gewöhnlichen Schreibtische mehr.

Die Nutzung von Smartphones, Laptops durch Unternehmen samt der ständigen Verfügbarkeit mobiler Netzdienste sorgt für Veränderungen im Arbeitsleben – darunter auch die Tatsache, dass Manager und Spezialisten weniger Zeit in zentralen Büros verbringen. Teure Immobilien stehen deshalb teilweise leer.

Der Netzausrüster Cisco macht aus der Not nun eine Tugend und erwägt die Arbeit in seinem Hauptquartier im kalifornischen San José radikal umzukrempeln. "Connected Workplace" nennt sich eines der Projekte, das sich über Jahrzehnte alte Bürokonventionen hinwegsetzt. Dabei werden aus einzelnen Büronischen offene Cluster mit Schreibtischen, die sich verschieben lassen – und nicht mehr einzelnen Personen gehören, sondern Arbeitsgruppen. Persönliche Besitztümer werden dagegen hauptsächlich in abschließbaren Schränken gelagert. PCs stehen nicht mehr auf diesen neuen Schreibtischen. Stattdessen nutzen die Mitarbeiter das Cisco-Tablet Cius, das seit kurzem auch an Unternehmenskunden des Konzerns verkauft wird.

Auch Cisco-Manager Rick Hutley, der die Position eines Vizepräsidenten innehat, wählt jeden Tag einen neuen Schreibtisch anhand verschiedener Faktoren – darunter beispielsweise die Fragestellung, mit wem er heute am intensivsten zusammenarbeiten wird. Das Cius-Tablet passt in ein kleines Spezialdock auf dem Schreibtisch, das auch einen Telefonhörer enthält. Das Tablet erledigt sowohl Sprach- als auch Videoanrufe, auf dem Schreibtisch und unterwegs. Auch Geschäftsdokumente lassen sich mit dem Cius in Arbeitsgruppen teilen.

Alternativ lassen sich auch noch Bildschirm, Maus und Tastatur anschließen, was aus dem Tablet einen kleinen PC macht, der eine virtuelle Windows-Sitzung öffnen kann. "Man kann mit seiner ganzen Welt auf diesem einen Gerät herumlaufen", sagt Hutley. Er habe seinen Laptop früher oft auf seinem Schreibtisch stehen lassen. "Bei meinem Tablet passiert das nie." Muss der Manager einen vertraulichen Sprach- oder Videoanruf durchführen, geht er einfach in einen der schließbaren Räume, die sich am Rand des Team-Clusters befinden.

Angestellte können außerdem am internen sozialen Netzwerk von Cisco teilnehmen, das sich Quad nennt. Es kann über das Web, ein iPhone, ein iPad oder eben ein Cius-Tablet genutzt werden. User können darüber Terminanfragen stellen, Status-Updates zu Projekten veröffentlichen und sich untereinander schnell per IM-Kurznachricht verständigen, Sprachanrufe starten und E-Mails versenden.

Ciscos Idee ist nur ein Beispiel für den Versuch, eine Art Büro der Zukunft zu schaffen. Auch Konkurrent Hewlett-Packard arbeitet daran "Die spannendere Technik war früher zu Hause", meint Prith Banerjee von der Forschungsabteilung des Computerkonzerns. "Heute nutzt auch Bürotechnik ähnlich coole Oberflächen und Schnittstellen."

Banerjee sagt für die nächsten Jahre flexible, papierartige Farbbildschirme voraus, die die Grenzen zwischen Smartphones und Tablets verwischen. "Das werden dann mobile Geräte sein, die sich noch besser dazu eignen, das gesamte Büro in der Hosentasche mit sich herumzutragen."

Mit solchen Veränderungen könnten Firmen viel Geld sparen. Das Cisco-Projekt wurde auch deshalb gestartet, weil bei einer internen Studie herauskam, dass die Büronischen in den Großraumbüros zu zwei Dritteln unbesetzt blieben, während Mitarbeiter entweder auf dem Firmengelände unterwegs waren oder aus der Ferne arbeiteten. Berechnungen Ciscos zufolge kann das Gebäude, das für das Testprojekt genutzt wurde, nun 140 Angestellte fassen – deutlich mehr als die 88, die normalerweise hier unterkamen. Mit etwas Glück könnte Cisco bei seinen Immobilien also bis zu 37 Prozent an Kosten sparen.

Auf lange Sicht hofft der Netzwerkkonzern außerdem, geringere Ausgaben für Gesundheitskosten zu haben. Die schlichte Devise: Menschen, die sich mehr bewegen, haben auch weniger orthopädische Probleme. Zunächst soll aber erforscht werden, ob die neue Technik dabei helfen kann, Widerstände zu brechen, die frühere Versuche scheitern ließen, Büros zu schaffen, in denen niemand mehr seinen eigenen Schreibtisch hat.

Andere Firmen entwickeln unterdessen ganz neue Ideen. Steelcase, ein Büromöbelhersteller, arbeitet zum Beispiel an sogenannten Büroinstallationen, bei denen sich in einem offenen Raum schnell neue Teams zusammenfinden können. Anschlüsse für Mobilgeräte stecken in Konferenztischen oder halbprivaten Mini-Schreibtischen ("Pods") und erlauben den Mitarbeitern, Daten auf einen gemeinsamen Bildschirm zu projizieren. (bsc)