Gamescom: Das geheime Leben der Spielzeuge
Auf der Kölner Gamescom, die heute fürs Publikum öffnet, zeigt Activision mit "Skylanders" eine ungewöhnliche Kombination aus einem Zwei-Spieler-Action-Adventure und Plastikfiguren mit RFID-Chip als Trägern der Spielcharaktere.
Plastikfiguren, die plötzlich zum Leben erwachen und das Böse bekämpfen, kennt man aus den "Toy Story"-Filmen. Im Action-Adventure Skylanders – Spyro’s Adventure haben Alec Sokolow und Joel Cohen, zwei der ursprünglichen Toy-Story-Autoren, die Idee in eine märchenhafte Fantasy-Umgebung versetzt. Der Clou dabei ist jedoch, dass Wirklichkeit und Story durch reale Spielfiguren mit RFID-Chip und ein Lese/Schreibinterface, das drahtlos mit dem jeweiligen Spielsystem verbunden ist, miteinander korrespondieren. Activision will das Werk des kalifornischen Tochterunternehmens Toys for Bob ab Mitte Oktober für Windows-PCs sowie für XBox 360, PS3 und Wii, außerdem in einer speziellen Singleplayer-Version für Nintendos mobiles 3DS-System anbieten. Zusätzlich soll eine Spielmöglichkeit für die Heldenfiguren im Web entstehen. Auf der Kölner Messe Gamescom, die gestern für Fachbesucher ihre Tore öffnete und ab heute vier Tage lang fürs Publikum zugänglich ist, haben deutsche Spielefreunde erstmals Gelegenheit, das ungewöhnliche Konzept zu sehen.
Der Drache Spyro, der dem Spiel den Untertitel gab und zu den insgesamt 30 einzusetzenden Figuren gehört, tauchte 1998 erstmals auf Sonys erster Playstation auf und agierte dann zumeist als Jump'n'Run-Held auch auf anderen Konsolen- und Mobilsystemen. "Skylanders" ist allerdings mehr als ein bloßer Serienableger: Man zielt auf ein breites Publikum jenseits der Serienfans. Dafür sorgt nicht zuletzt das Konzept der Plastikfiguren, die mit Hilfe des zum Spiel gehörenden "Portal of Power", eines RFID-Lese-und-Schreibgeräts, zu Trägern der Spielcharaktere und deren individueller Erfahrungen sowie erworbener Fähigkeiten werden.
Die auf dem Bildschirm im Knetmännchen-Comic-Look auftretenden Akteure arbeiten sich kämpfend und Hindernisrätsel lösend durch Skyland, ein einstmals friedlich-idyllisches Fantasy-Reich aus schwebenden Inseln. Die Hintergrundstory berichtet, dass der Bösewicht Kaos bei einem Eroberungsversuch zwar zunächst den Skylanders unterlag, sich diese aber anschließend mit Hilfe eines Zaubers vom Hals schaffte, indem er sie in eine fremde Welt transferierte – nämlich auf unsere Erde, wo sie im Miniformat und zur Bewegungslosigkeit verurteilt ihr Dasein fristen müssen. Es ist Sache des Spielers, die Kunststofffiguren durch Aufsetzen auf das "Portal of Power" wieder zum Leben zu erwecken und nach Skyland zu schicken. Dort rücken sie den putzig gestalteten schwarzen Knechten des Kaos zu Leibe und sammeln dabei Erfahrung sowie etliche nützliche Objekte.
Jede der Figuren hat charakteristische Fähigkeiten und Eigenschaften. Beim Kauf des Spiels werden zunächst drei der kleinen Helden mitgeliefert. Sie reichen aus, um das Spielziel zu erreichen. Mehr Spielspaß gewinnt man durch den Kauf zusätzlicher Figuren im Spielwarenhandel; es bedarf etwa bestimmter Helden, um einzelne Bereiche der Spielwelt freizuschalten, auch eignen sich manche Helden besser als andere zum Überwinden besonderer Hindernisse. Das Team von "Toys for Bob" macht keinen Hehl daraus, dass der Gewinn aus dem Figurenverkauf einen Schwerpunkt des Geschäftsmodells für "Skylanders" bildet. Der RFID-Chip in den Kunststofffiguren speichert Veränderungen in der Ausrüstung oder Kampfkraft des jeweiligen Spielcharakters, was diesem immer stärkere individuelle Züge verleiht und ihn irgendwann unverwechselbar macht. Die Spielsteuerung geschieht über die gewohnten Controller; die Plastikhelden repräsentieren die Spielcharaktere und dienen zur Speicherung von deren Erfolgen. Ein Clou der Sache besteht darin, dass man eine solche Figur zu einem anderen "Skylanders"-Besitzer mitnehmen, auf dessen Portal setzen und auf seinem System weiterspielen kann – auch plattformübergreifend. Den meisten Spaß bietet das Spiel im Mit- und Gegeneinander zweier Akteure, was auf allen Systemen außer dem 3DS möglich ist.
Die Entwickler meinen, dass das Spiel bereits für Kinder ab sechs Jahren geeignet ist. Es wird zwar viel gekämpft, aber das spielt sich im Cartoon-Stil ab und sieht ziemlich putzig aus. Um ein reines Kinderspiel handelt es sich dennoch nicht, obwohl das Aussehen der Plastikfiguren diesen Eindruck erwecken kann. (psz)