Wieder gefragt: Software-Entwickler und IT-Dienstleister
"In diesem Jahr wird es eine Konsolidierung geben, vielleicht sogar ein leichtes Plus", schätzt der Branchenverband Bitkom die Lage auf dem IT-Stellenmarkt ein.
Auf dem IT-Arbeitsmarkt scheint die Trendwende geschafft. "In diesem Jahr wird es eine Konsolidierung geben, vielleicht sogar ein leichtes Plus", meint Stephan Pfisterer. Steigerungsraten wie in den Boomjahren sind nach Ansicht des Experten vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) in Berlin jedoch nicht zu erwarten. "Waren Informatiker früher nur in Software- und Hardwarebetrieben zu finden, läuft heute kaum noch ein Unternehmen ohne Informatikanwendungen", erklärt Prof. Matthias Jarke, Präsident der Gesellschaft für Informatik (GI) in Bonn. In den Jahren 2001 bis 2003 hatte der Informations- und Telekommunikationsmarkt stark gelitten. "Neben dem Zusammenbruch vieler kleinerer Firmen haben auch die Großen der Branche massiv Personal entlassen." Der Branchenverband Bitkom schätzt die Anzahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr auf 714.000. Im Jahr 2001 waren es noch 819.000.
Für Hoffnung auf Besserung sorgt nun das Segment "Software und IT-Dienstleistungen". Schätzungsweise 3000 neue Arbeitsplätze sind 2004 in diesem Bereich entstanden. Die Themen sind derzeit Datenbanken im elektronischen Geschäftsverkehr sowie die Entwicklung von Programmiersprachen und Software-Ergonomie für mobile Anwendungen, etwa Handys. "Laut Umfragen von Beratungsunternehmen sind die Felder Koordination und Organisation, Anwendungsentwicklung, SAP, Datenschutz und Sicherheit momentan sehr gefragt", sagt Jarke. Weniger Chancen hätten hingegen Spezialisten für Netzwerk und Systemumfeld sowie Webdesign. Allerdings ließen sich in einem dynamischen Feld wie der Informatik kaum zuverlässige Prognosen für die Zukunft treffen. Auch nach Einschätzung der GI bieten die Softwaretechnik und IT-Services viele Möglichkeiten: "Ein Feld, das in Zukunft immer wichtiger werden wird, ist Informatik im Auto", erklärt der GI-Präsident. "Schon jetzt spielt Software im Auto eine große Rolle: Software und Elektronik sind die wichtigsten Innovationsfaktoren in der Automobilindustrie."
Vom Anziehen des Marktes profitieren auch die freien IT-Spezialisten. "Nachfrage besteht vor allem bei Großunternehmen", sagt Dirk Bisping vom Berufsverband Selbständige in der Informatik (BVSI) in Glückstadt (Schleswig-Holstein). Freie Informatiker würden meist über Agenturen oder Beratungshäuser an diese Unternehmen vermittelt. "Gesucht sind wieder SAP-Berater, Entwickler für objektorientierte Programmierung und Berater für strategische Informationssysteme wie Data Warehouse und Customer Relationship Management." Im Gegensatz zu den Boom-Jahren ist für eine erfolgreiche Bewerbung heute ein anerkannter Abschluss nötig. "Der reine Freak hat keine großen Chancen", sagt Pfisterer. Das kann Dirk Bisping bestätigen: "Als Freiberufler setzen sich nur diejenigen durch, die eine gute Fach- und Basisausbildung mitbringen."
Eine generelle Aussage, welche Ausbildung am zukunftsfähigsten ist, lässt sich jedoch nicht treffen. "Gerade ein so komplexes Feld wie die Informatik erfordert ganz verschiedene Qualifikationen", erklärt Jarke. Wichtig sei die kontinuierliche Weiterbildung. "So gut die Ausbildung auch gewesen ist, die Informatik ist eine äußerst dynamische Disziplin, in der man ständig am Ball bleiben muss." Wirtschaftskenntnisse und Fremdsprachen seien unabdingbar. Für weitere Pluspunkte sorgen Auslandsaufenthalte, Teamfähigkeit, gute Umgangsformen und Projekterfahrung. Der Frauenanteil unter den Studienanfängern im Fach Informatik ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich von 13 auf 17 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr war er erstmals leicht rückläufig. "Es liegt ein ungenutztes Potenzial brach, wenn sich auch weiterhin nur eine kleine Minderheit der weiblichen Studierenden für die Informatik entscheidet", betont Jarke. Gerade bei Teamarbeit und Kundenkontakten hätten sich gemischte Teams bewährt. "Wir müssen deshalb jungen Frauen die Chancen der Informatik deutlicher machen und das oft rein technisch geprägte Bild von ihr korrigieren."
Ein Großteil der Absolventen favorisiert große, bekannte Unternehmen. Sie würden mit Initiativbewerbungen überschwemmt, während der Mittelstand oft nicht wahrgenommen werde, sagt Jarke. Dabei könnten gerade kleine Firmen ein Sprungbrett sein. Die Verdienstaussichten in der Branche sind laut Bitkom-Experte Pfisterer im Vergleich zu Ingenieur- und naturwissenschaftlichen Berufen überdurchschnittlich gut. "Die Einstiegsgehälter für Fachschulabsolventen liegen zwischen 35 000 und 40 000 Euro, für Hochschulabsolventen sogar noch etwas darüber", sagt Pfisterer. Auch Bisping geht für 2005 von deutlich anziehenden Stundensätzen für selbstständige IT-Spezialisten aus: "Das untere Limit liegt derzeit bei 50 bis 60 Euro."
Zur Gehaltssituation in der IT-Branche wertet c't gerade die aktuelle Gehaltsumfrage aus; die Ergebnisse der Gehaltsspiegel 2003 und 2002 sind online verfĂĽgbar.
(Sabine Schrader, dpa) / (jk)