Kauftipps aus dem Computer

Ein Start-up will Kunden mit einer Vorhersagesoftware dabei helfen, neue Gadgets stets zu den gĂĽnstigsten Preisen zu kaufen.

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Von
  • Erica Naone

Ein Start-up will Kunden mit einer Vorhersagesoftware dabei helfen, neue Gadgets stets zu den gĂĽnstigsten Preisen zu kaufen.

Es ist eine klassische Frage, die sich jeder Freund neuer Produkte aus dem Techniksektor stellt: Wann ist der richtige Zeitpunkt, zuzuschlagen? Wer früh kauft, kann zwar damit angeben, zu den "Early Adoptern" zu gehören und ein neues Gerät länger genießen. Doch dabei zahlt man fasst immer drauf.

Ein aktuelles Beispiel liefert der Computerriese HP. Der kündigte kürzlich an, sich aus dem Tablet-Geschäft zurückzuziehen und auch Smartphones mit eigenem Betriebssystem aufzugeben. Wer sich sein HP Touchpad zum Verkaufsstart besorgte, zahlte in den USA 499 Dollar. Mittlerweile herrscht Ausverkauf: 149 Dollar müssen Kunden nur noch für das Modell mit 32 Gigabyte aufbringen, das 16-Gigabyte-Gerät gibt es bereits für 99 Dollar. 350.000 Kunden sollen an einem einzigen Wochenende gekauft haben. (Auch in Deutschland wurden die Preise gesenkt.)

"Die Leute haben ständig das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden", meint Oren Etzioni, Technikchef und Mitbegründer des Start-ups Decide, einer Internet-Firma, die versucht, Kunden die Entscheidung abzunehmen, wann es sich lohnt, Technik zu kaufen und wann es besser ist, zu warten. In den Vorhersagemodellen werden Preistrends ebenso berücksichtigt wie Nachrichten, Gerüchte und aktuelle technische Spezifikationen. Im Fall HP Touchpad hätte das Kunden allerdings (noch) nichts geholfen: Tablet-Rechner gehören bislang nicht zu den verfügbaren Gerätekategorien, dafür diverse andere Consumer-Produkte wie etwa digitale Kameras.

Vor dem Start von Decide hatte Etzioni bereits Farecast gegründet – eine Firma, die versuchte, den besten Zeitpunkt zum Kauf von Flugtickets zu ermitteln, Sie wurde 2008 von Microsoft übernommen.

Die Vorhersage von Preisen für Unterhaltungselektronik ist allerdings komplizierter. Flugtickets werden einmal verwendet, Gadgets dagegen über viele Monate behalten und genutzt. Die Leute wollten nicht zu lange warten, damit sie nicht mit veralteten Geräten vorlieb nehmen müssen, sagt Etzioni. "Da geht es oft weniger um den Preis. Wir glauben, dass nur eine beschränkte Anzahl an Kunden wirklich warten will."

Aus diesem Grund berechnen die Decide-Algorithmen nicht nur neue Modelle und bereits erschienene Geräte mit ein. Es werden auch Sonderfälle berücksichtigt. "Es kommt manchmal vor, dass neue Geräte sogar billiger sind als ihre Vorgänger", sagt Etzioni.

Microsoft interessiert sich auch nach dem Kauf von Farecast weiter für das Thema. Die konzerneigene Suchmaschine Bing soll ebenfalls Preisvorhersagen beherrschen. Auf der Konferenz "Knowledge Discovery and Data Mining" in San Diego zeigten Forscher der Firma kürzlich eine Software, die den realen Wert eines Produktes für Kunden berechnen soll. "Dabei ist es wichtig, einzukalkulieren, dass der Nutzer während des Wartens auf günstigere Preise ein gewünschtes Gerät ja schlicht nicht nutzen kann", so Microsoft-Wissenschaftler Samuel Ieong.

Ieong und Kollegen untersuchten dazu Preis- und Verkaufsdaten der Marktforschungsfirma NPD von Januar 2005 bis September 2008, um den besten Zeitraum zu ermitteln, zu dem man Produkte wie Camcorder, Digitalkameras, Drucker oder Fernseher kaufen sollte. Dabei kam heraus, dass GebrauchsgĂĽter wie Drucker recht stabile Preise hatten, In-Produkte wie Spezialkameras aber stark fluktuierten. Das mache die Preisvorhersage schwierig.

Etzioni ist sich sicher, dass Algorithmen wie die von Decide in Zukunft noch großen Einfluss auf den Markt der Unterhaltungselektronik haben könnten. Kunden würden dadurch nicht nur lernen, wann sich ein Kauf lohnt, sondern auch andere Faktoren einkalkulieren wie etwa den Energieverbrauch über einen längeren Zeitraum. Manchmal lohnt sich die Anschaffung eines Neugerätes nämlich nicht nur wegen des Kaufpreises. "Wer sich einen Kühlschrank kauft und diesen viele Jahre lang verwendet, dem helfen schon kleine Effizienzgewinne." (bsc)