LG Display will weniger in Flachdisplays investieren

Der neben Samsung größte koreanische Panelhersteller LG Display will im kommenden Jahr keine neuen Display-Fabriken bauen und insgesamt weniger investieren. Schuld sei der übersättigte Markt und der rückläufige Absatz von großen Displays.

vorlesen Druckansicht 41 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Der südkoreanische Panelhersteller LG Display will einige seiner für das kommende Jahr geplanten Investitionen auf Eis legen, berichtet das Wall Street Journal. 2012 werde das Unternehmen mit etwa 2,8 Milliarden US-Dollar deutlich weniger ausgeben als in diesem Jahr. Neue Fabriken will LG Display im kommenden Jahr gar nicht bauen, heißt es von verschiedenen Seiten. Grund sei der rückläufige Absatz von PC-Monitoren und Fernsehgeräten sowie die stark gefallenen Display-Preise; man erwarte hier bis Anfang 2012 auch keine wesentliche Erholung. Deshalb werde das Unternehmen die Produktionskapazitäten reduzieren, um Lagerbestände abzubauen. Ob vom Investitionsstopp auch die für das kommende Jahr geplante Pilotanlage für große OLEDs betroffen ist, blieb zunächst unklar.

Eigentlich wollte LG im kommenden Jahr 55"-Fernseher mit OLED-Display auf den Markt bringen. Mit dem neuen Sparprogramm steht das Projekt wohl erstmal auf der Kippe.

Das Unternehmen hatte erst im Juli erklärt, für Mobildisplays die blickwinkelstabile und hochauflösende LCD-Technik AH-IPS (Advanced High Performance In-Plane Switching) nutzen zu wollen. Die IPS-Technik kommt auch im iPhone zum Einsatz. Die organischen Displays sollten dagegen künftig vor allem in großen Fernsehschirmen zum Zuge kommen. Deshalb wollte LG anders als der koreanische Konkurrent Samsung keine OLED-Fabrik der Generation 5.5 bauen, sondern gleich eine der Generation 8. In Betrieb hat das Unternehmen bereits eine Gen-4.5-Fab, in der drei- bis vierzöllige OLEDs produziert werden; möglicherweise werden deren Kapazitäten vorerst aber nicht wie ursprünglich geplant um das Doppelte erweitert.

Bereits im Frühsommer hatte LG die ursprünglich für Ende August geplante Grundsteinlegung für eine neue LCD-Panelfabrik der 8ten Generation im chinesischen Guangzhou verschoben. Auch hier nannte das Unternehmen den eingebrochenen Displaymarkt respektive die LCD-Preise als Grund.

Neben LG haben auch andere Hersteller über Bedarf produziert und mussten ihre Produktion deshalb zurückfahren. Der chinesische Markt ist allerdings anders als etwa der europäische oder der US-Markt noch nicht übersättigt, weshalb viele Hersteller großes Interesse daran haben, vor Ort Fabriken zu bauen. Zumal die chinesische Regierung die Einfuhrzölle für Displays demnächst erhöhen will, was den Absatz für externe Produzenten erschweren dürfte.

Die Preise für Flachdisplay-Panels sind seit einiger Zeit weltweit quasi im freien Fall. So kostet heute ein 46-Zoll-Panel mit voller HD-Auflösung nach Angaben von Witsview im Mittel nur noch 300 US-Dollar, ein 32-zölliges HD-Panel keine 150 US-Dollar mehr – Tendenz weiter fallend. Vor gar nicht langer Zeit mussten die TV-Hersteller das Doppelte pro LCD-Panel bezahlen. Schuld daran sind interessanterweise auch die Panelhersteller selbst: Samsung soll die Preise beispielsweise in den letzten Wochen aggressiv gesenkt haben, was die Konkurrenz unter Druck gesetzt hat, ebenfalls mit Preisnachlässen nachzuziehen – und in der Folge ihre Produktionskapazitäten herunterzufahren. Hinzu kommt, dass die Gerätepreise zum Jahresendgeschäft üblicherweise stets leicht fallen, um den Verkauf anzukurbeln. Diese Bemühungen unterstützen üblicherweise auch die Panel-Hersteller im vierten Quartal mit niedrigeren Preisen. (uk)