Hoher Spritpreis beschleunigt Suche nach Alternative
Weg vom Öl: Bis zum Jahr 2020 könnten bis zu 20 Prozent der Kraftstoffe aus alternativen Quellen stammen, glauben Experten. Das macht auch effizientere Motoren möglich.
Die aktuell hohen Preise für Erdöl, Benzin und Diesel haben auch ihr Gutes: Sie beschleunigen die Forschung an alternativen Kraftstoffen. So hält Gerd Hagenow, Leiter der Kraftstoffentwicklung bei Shell in Deutschland, einen Biosprit-Anteil von zehn bis zwanzig Prozent bis zum Jahr 2020 für möglich. Das liegt weit über den bisherigen Schätzungen, wie Technology Review in der Titelgeschichte seiner neuen Ausgabe berichtet.
Gearbeitet wird vor allem an synthetischen Treibstoffen, die aus Gas, Biomasse oder auch Kohle gewonnen werden können. Für sie spricht insbesondere, dass ihre Eigenschaften gezielt beeinflusst werden können. Damit lassen sie sich so aufbauen, dass sie neue Motorkonzepte zur Verbrauchs- und Schadstoffreduzierung unterstützen. Volkswagen ist bereits dabei, eine Software erstellen zu lassen, die das Verhalten künstlicher Treibstoffe im Motor simuliert. Wenn sie fertig ist, sagt VWs Leiter der Antriebsforschung Wolfgang Steiger, "beginnt die Suche nach dem perfekten Kraftstoff."
Eine wichtige Rolle spielt bereits heute Biodiesel aus Pflanzenölen: Er darf zu bis zu 5 Prozent normalem Diesel beigemischt werden und wird von vielen Motoren auch in reiner Form vertragen. Allerdings gilt sein Potenzial wegen des hohen Flächenbedarfs für den Anbau als nahezu ausgereizt. Das Freiberger Unternehmen Choren Industries will die Ausbeute mit einem "BtL" (Biomass to Liquid)-Verfahren um den Faktor drei erhöhen. Die Produktion von einem Liter "Sunfuel" soll in großen Anlagen zu Kosten von 50 bis 70 Cent möglich sein.
Zu diesem Thema siehe auch:
- "Der Preis ist noch nicht hoch genug" -- Online-Interview mit dem Ă–l-Experten Vaclav Smil
Das Oktober-Heft der deutschen Ausgabe von Technology Review ist ab dem 29. September im gutsortierten Zeitschriftenhandel oder online erhältlich. (sma)