Die US-Musikindustrie macht sich Mut

Vertreter der US-Unterhaltungsindustrie sondieren auf der Veranstaltung CTIA Wireless I.T. & Entertainment 2005 in San Francisco die Chancen fĂĽr neue Musikvertriebswege.

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Michael Nash, bei der Warner Music Group für den digitalen Vertrieb zuständig, macht sich offenbar Gedanken über den Erfolg von Apples iTunes Music Store und dessen daraus resultierender marktbeherrschender Stellung in den USA. "Was wäre, wenn Steve Jobs den Preis pro Download auf 29 Cent senken würde?" fragt er laut The Register auf der Veranstaltung CTIA Wireless I.T. & Entertainment 2005 in San Francisco. Die Musikindustrie könnte sich dann von Apple abwenden, was den Computerhersteller nach Meinung von Nash nicht sonderlich schmerzen würde und auch nicht die Musikindustrie, denn der Download-Markt sei bislang noch marginal.

Apple habe etwas in die Welt gesetzt, was die Musikindustrie so nicht haben wollte, wird Nash weiter zitiert, nämlich ein "zweites MTV". Damit müsse man umgehen. Jobs werde sich ein anderes erfolgreiches Geschäftsmodell einfallen lassen. Zudem würden sich auf den meisten iPods, für die der iTunes Music Store eigens geschaffen worden sei, hauptsächlich digitalisierte Musikstücke aus den bereits zuvor existierenden Sammlungen der Besitzer befinden.

Alternativen und neue Chancen verspricht sich die Unterhaltungsindustrie durch die Verbreitung von musikfähigen Mobilfunkgeräten. Courtney Holt vom Plattenlabel Interscope, einer Abteilung von Universal, hat laut Bericht betont, die "P2P-Generation" sei nicht verloren und kehre sich dem kostenpflichtigen Download zu, besonders wegen der Inhalte, die für mobile Geräte erhältlich seien. In das gleiche Horn stößt Cingular-Wireless-Manager Jim Ryan, der sich mehr Kapazitäten wünscht, um aus den Chancen Kapital zu schlagen.

Die Zuversicht der US-Musikindustrie, die sie nach dem Urteil des obersten Gerichtshofs gegen die P2P-Anbieter Grokster und Streamcast Networks (Morpheus) im Juni geschöpft hat, war anscheinend nicht grundlos. Nachdem sie P2P-Anbieter dazu aufgefordert hat, illegale Downloads zu unterbinden, wollen offenbar erste Tauschbörsenanbieter auf das Begehren der Plattenlabels eingehen.

Und auch der Internet-Zugangsanbieter Verizon zeigt sich kooperativ. Das Unternehmen, das sich gerichtlich dagegen gewehrt hatte, der Musikindustrie Daten von Nutzern herauszugeben, die der Copyright-Verletzung verdächtigt wurden, hat Disney versprochen, die nun über Glasfaser ausgelieferten Programme vor illegaler Verbreitung zu schützen.

Die Verbreitung von Inhalten der Musikindustrie über das Internet erschien aber dem RIAA-Chef Mitch Bainwol im August nicht als Hauptproblem. Vielmehr sei das Kopieren von Musik auf und die Verbreitung über CDs eine größere Gefahr für Plattenläden und Musikfirmen. Eine "stabile Entwicklung" zum Kauf von legal angebotenen CDs, wie er ebenfalls im August von der deutschen Musikindustrie konstatiert wurde, erkennt auch The Register. Er erklärt ihn sich damit, dass die Musikliebhaber lieber Musik besitzen, als lediglich Nutzungsrechte zu erwerben. (anw)