Stromnetzausbau entlang der Autobahnen

Die Energietechnische Gesellschaft im Industrieverband VDE schlägt vor, verstärkt bestehende Infrastrukturen zu nutzen, um neue Energieleitungen zu verlegen.

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Von
  • Manuel Berkel

Die Energietechnische Gesellschaft im Industrieverband VDE schlägt vor, verstärkt Autobahn- oder Schienenstrecken zu nutzen, um neue Stromleitungen zu verlegen. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 09/11 (am Kiosk oder online bestellbar).

"Die Diskussion beschränkt sich derzeit zu einseitig auf die Frage, ob man Freileitungen einfach durch Erdkabel ersetzen sollte, was technisch nicht immer möglich ist", sagte der Vorsitzende der Gesellschaft Jochen Kreusel im Interview mit Technology Review. "Wir plädieren dafür, die Infrastrukturen zu bündeln, um die Betroffenheit der Bürger zu mindern. Dazu zählen Autobahnen, Eisenbahnstrecken, Flüsse, Kanäle oder Pipelines. Bisher wurde jede Infrastruktur für sich geplant." Entlang von bestehenden oder neu zu bauenden Trassen könnte ein System von begehbaren Tunneln oder Röhren errichtet werden, in denen man beispielsweise Strom- oder Telekommunikationskabel installieren könnte.

Billig wäre diese Lösung nicht, könnte aber den politischen Widerstand minimieren, der im Moment in Deutschland den Ausbau der Stromnetze bremst: Überall formiert sich Widerstand gegen die rund 3600 Kilometer Stromleitungen, die bis 2020 zwischen Küsten und Alpen neu gebaut werden müssen, wie die Deutsche Energie-Agentur (dena) und die Stromnetzbetreiber in ihrer Ende 2010 erschienenen Netzstudie II errechnet haben. Eine erste Analyse aus dem Jahr 2005 hatte bereits einen Bedarf von 850 Kilometern ergeben, von denen bis heute klägliche 100 Kilometer fertiggestellt wurden.

Die Lieblingslösung vieler Bürgerinitiativen, die Erdkabel, sind nicht so nebenwirkungsfrei, wie die Aktivisten sich das erhoffen. Denn für die in zwei Meter Tiefe vergrabenen Leitungen muss eine 40 Meter breite Schneise durch die Landschaft geschlagen werden. Nach Abschluss der Arbeiten bleibt eine Trasse von 15 bis 35 Meter sichtbar. In diesem Schutzstreifen dürfen keine Bäume wachsen, deren Wurzeln die Kabel beschädigen könnten. Masten brauchen die Erdleitungen zwar nicht, doch ohne überirdische Bauwerke kommen auch sie nicht aus. Für den Transport müssen die Kabel nämlich auf Rollen gewickelt und auf einen Lkw geladen werden, der maximal 800 Meter Kabel transportieren kann. Die einzelnen Kabelabschnitte sind darum durch Muffen verbunden, die in garagengroßen Containern untergebracht werden. Alle 30 bis 50 Kilometer stehen außerdem sogenannte Blindleistungskompensationseinrichtungen, um die Spannung auf einem konstanten Wert zu halten. (bsc)