ThemenmolekĂĽl: Ode an das Gehirn

Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit virtuellen Nerds, Liebe im Schwerionenbeschleuniger und einem radioaktiven Orchester.

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Von
  • Peter Glaser

Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu digitalen Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Heute unter anderem mit virtuellen Nerds, Liebe im Schwerionenbeschleuniger und einem radioaktiven Orchester.

Dieses schmucke synthetische Immunsystem des britischen Künstlers Tuur Van Balen besteht aus einem Netzwerk von Biosensoren aus Hefe. Jede Blase enthält einen anderen Hefe, die jeweils eine bestimmte Anomalie einer Person überwachen kann, etwa ein Vitamindefizit oder Erkrankungen. Das System kann auch zur Herstellung von Chemikalien oder Medikamente verwendet werden.Das synthetische Immunsystem muß jeden Abend gefüttert werden, um über Nacht für die persönlichen Bedürfnisse sorgen zu können.

Wurst und Wissenschaft: Einblick in eine ebenso leckere wie berechenbare Welt zwischen Rechenschieber und eĂźbaren Randrundungen

Mathematische Ableitungen sind eine feine Sache, aber manchmal ein wenig trocken. Der amerikanische Mathematiker und Kabarettist Tom Lehrer, berühmt geworden mit dem Lied vom Taubenvergiften im Park und einer bösen Hommage an Wernher von Braun, hat zur Auflockerung den Derivative Song geschrieben.

Ein Team von Experten und Pädagogen hat mit der Website Virtual Nerd ein Füllhorn von über 1200 Videos ans Netz gebracht und möchte Studierende damit Hilfe in Mathe und anderen Wissenschaften bieten. Pädagogen können auf das Material umsonst zugreifen.

Ein Lied über Chordata singen? Ein Melodiechen über Algebra summen? Das sind nur einige der die Möglichkeiten auf der Website Sing About Science. Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler, die am Nutzen von Musik in Wissenschaft und mathematischer Ausbildung interessiert ist, hat dieses Musikarchiv mit Mitteln der National Science Foundation eingerichtet. Unter "Featured Videos" finden sich zum Einstieg ein paar Beispiel-Songs aus Themenbereichen wie Biologie, Mathematik und Technik, darunter Juwelen wie die "Ode to the Brain", das hinreissend hingerappte "What You Know About Math?" oder "Particle Business", ein Fermilab rap music video.

Teilchenphysikalisch inspirierte Innenarchitektur: Der Quanten-Tisch ist eine Interpretation der möglichen Bahnen subatomarer Partikel, möblisiert von dem Designer Jason Phillips.

Liebe im Beschleuniger: Der Wissenschaftsjournalist Dave Mosher hat eine sehr charmante Möglichkeit gefunden, seiner Freundin Kendra Snyder einen Heiratsantrag zu machen. Snyder ist Kommunikationsverantwortlicher im Brookhaven National Laboratory, Heimat des relativistischen Schwerionen-Colliders, in dem Physiker Gold-Ionen bei dem Versuch aufeinanderprallen lassen, den Zustand des Universums in den Momenten nach dem Urknall zu klären.

Let's rock you out mit der Atomuhr: The Radioactive Orchestra ist ein Online-Tool, das zerfallende radioaktive Isotope in Noten umwandelt. Zur Wahl stehen 3175 Isotope in einer Nuklidkarte. Erstellt von der schwedischen Firma KSU in Zusammenarbeit mit DJ Axel Boman, handelt es sich bei dem Werkzeug um "eine neue Art, Strahlung und Atome zu verstehen" und einen Versuch, "Naturwissenschaft zu inspirieren, indem man sie spielerisch undangenehm zu lernen macht." Das Konzept ist einfach. Nuklide sind Atomkerne, und wenn sie zerfallen, senden sie Photonen aus, die in dem radioaktiven Orchester als eine Musiknote repräsentiert sind. (Dank für den Tipp an Veronika Szentpetery!)

Seit 2000 hat die US National Nanotechnology Initiative (NNI) zahlreiche Regierungsbehörden zusammengebracht, die erforderlich sind, um Forschung und Entwicklung im Bereich der Nanotechnologie zu fördern. Einsteiger in die Nanotechnologie bekommen auf der Website die BAsics vermittelt.Ein Nanometer, um die Dimension zu verdeutlichen, ist ein Milliardstel Meter – die Dicke eines Blatts Papier beträgt 100.000 Nanometer. Technologie in dem Größenbereich findet inzwischen in der Medizin, bei der Herstellung von Solarpanels, bei der Trinkwasseraufbereitung und der Beseitigung von Umweltschäden Anwendung.

Und auch diesmal wieder Blüten der wissenschaftlichen Illustration und Fotografie, beginnend mit einer Scientist-Serie für Streetwear Jörg Rothhaar für das Magazin "Today", gefolgt von einer Schulbuchillustration aus den sechziger Jahren, in der sich Romantik und Chemie zu einer Wahlverwandtschaft finden, dann ein anschauliches Beispiel dreidimensionaler molekularer Mechanik und schließlich ansprechende minimalistische Wissenschaftsillustrationen aus dem Blog freshphotons. (bsc)