Computex

Hektische Stimmung und verschlafene Gesichter

Wer am Messevortag durch Taipehs Xinyi-Distrikt geht, stößt allerorts auf hektisches Treiben: Überall wuseln Messebauer durch die Straßen und schaffen eilig Blumen, Plakate und Stellwände heran.

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Von
  • Georg Schnurer

Am Montag vor Messebeginn bieten die Straßen rund um das auf vier Messehallen verteilte Gelände der Computex ein teilweise bizarres Bild: Allerorts mühen sich die Messebauer nach Kräften, die Stände bis zum Messestart fertig zu bekommen. Überall wird gesägt, gehämmert, gespachtelt und gemalert. Bis zur offiziellen Eröffnungszeremonie um 18 Uhr dürften nur die wenigsten Stände wirklich fertig sein. Große Sorgen bereitet das jedoch kaum jemandem. Schließlich beginnt die Computex wirklich erst am ersten Messetag – anders als das große Vorbild CeBIT, die zumindest von den Begleitveranstaltungen her inzwischen schon einen Tag vor dem offiziellen Start startet. So bleibt den Standbauern noch eine lange Nacht, um ihr Werk zu beenden.

Die feierliche "Opening Ceremony" – mit klassischer Live-Musik, gespielt vom Evergreen Orchestra, und Auftritt von Wirtschaftsminister Steve Ruey-Long Chen sowie Taipehs stellvertretendem Bürgermeister Chung-Yih Lin – wird das ohnehin kaum stören. Sie findet dieses Jahr in einem Restaurant im zweiten Stockwerk der Halle 1 statt, weit genug von den Bohrmaschinen und Pressluft-Tackermaschinen der Messebauer entfernt. Auf dem Programm steht hier übrigens auch – ab 18:26 Uhr Ortszeit – die Verleihung des "Best Choice of Computex Taipei 2007" Awards. Einen einzelnen Sieger wird es hier freilich nicht geben, sondern vielmehr 25 Preisträger aus den unterschiedlichsten Produktkategorien.

Computex-Aufbau (16 Bilder)

Computex-Aufbau

Auf der zweitgrößten Computermesse der Welt gibt es während des Aufbaus natürlich noch gar keine Computer zu sehen.

Einen harten Kontrast zu den müden, aber entschlossenen Gesichtern der Messebauer bilden die Gesichter der nach und nach eintrudelnden westlichen Besucher. Vom Jetlag gezeichnet wandeln sie durch die regennassen Straßen von Taipeh – immer auf der Hut, um im chaotischen Verkehr nicht von einem Taxi oder Motorroller überfahren zu werden. Insgesamt erwarten die Computex-Macher dieses Jahr gut 32 000 ausländische Besucher, also knapp zweitausend mehr als im letzten Jahr. 2006 kamen davon laut Taitra übrigens ganze 582 aus Deutschland. Das reichte gerade so eben für Platz Acht unter den "Top 10 Overseas Visitors". Für 2007 dürfte sich an dieser Platzierung wohl auch nicht viel ändern. Die ersten drei Plätze in dieser Statistik belegen übrigens die USA (3609 Besucher), Japan (2892 Besucher) und Hong Kong (1635 Besucher).

Doch zurück zu den halbfertigen Messeständen. Zwar sind die meisten Vitrinen noch leer, doch wer sich aufmerksam umschaut, entdeckt zumindest bei den Motherboard-Produzenten schon jetzt Überraschendes: So mancher Aussteller hat bereits Produktbeschreibungen in die Vitrinen geklebt. Und siehe da, dort taucht plötzlich Intels X38-Chipsatz auf, obwohl dieses Mitglied der "Intel 3 Series Express Chipset Family" ursprünglich eigentlich erst im Herbst auf den Markt kommen sollte. Ganz ohne Intels Segen werden die Hersteller die neuen Boards vermutlich nicht offen zeigen. So steht zu erwarten, dass Richard Malinowski, Vizepresident der Mobility Group und General Manager von Intels Chipset Group, bei seiner Präsentation am kommenden Mittwoch im Taipei 101 wohl auch einige Worte zu Intels neuem Highend-Gamer-Chipsatz verlieren wird.

Wenig überraschen, aber dennoch bemerkenswert sind die offenen Worte, die einige Notebook-Hersteller zum Turbo Memory, alias "Robson", von Intels jüngst vorgestellter Centrino-Duo-Plattform finden. Sehr teuer sei der Spaß und daher erwarte man kaum Interessenten. Die meisten Notebooks mit Santa-Rosa-Architektur werden also wohl ohne das Flash-Modul zur Vista-Beschleunigung ausgeliefert werden. Es werde "interessant" zu sehen, welchen Effekt das teure Teil auf die Systemperformence eines Notebooks unter Vista überhaupt habe, schreibt beispielsweise MSI in einer Pressemitteilung. Diesen Bedenken können wir uns natürlich nur anschließen, zumal sich ja schon "ReadyBoost" – also die Vista-Beschleunigung via USB-Stick – bei angemessener Speicherbestückung als nicht besonders effektiv erwiesen hat. (jow)