Speicherpreise: Im Q3 ziehen die Einkaufspreise deutlich an
Der erhoffte Aufschwung ist da: Speichermodule sind stark gefragt. Gleichzeitig versucht die Branche durch eine "künstliche Verknappung" die Preise anzuheben. Während der Handel im 4-Wochen-Rückblick deutlich teurer einkauft, spürt der Endkunde diese Entwicklung noch nicht.
Nachdem speziell DDR3-1333-Speicher im dritten Quartal zum Teil um bis zu 20 Prozent an Wert verloren, stabilisiert sich der HEK und zieht typübergreifend deutlich an.
Für Speichermodule müssen Fachhändler im Einkauf wieder mehr bezahlen. Im 4-Wochen-Rückblick sind die HEKs für DDR2- und DDR3-RAM zum Teil um über 20 Prozent gestiegen. Gründe dafür sind einerseits der starke US-Dollar, aber auch die hohe Nachfrage. In erster Linie ist die Preiserhöhung aber künstlich herbeigeführt. Die Chip-Hersteller versuchen mit einer kontrollierten Warenverknappung höhere Preise durchzusetzen, um damit einen Ausweg aus dem anhaltenden Abwärtstrend zu finden. Zum Zeitpunkt der Preiserhöhung waren die Lager der Distribution allerdings gut gefüllt. Marktbeobachtern zufolge sind daher noch weitere Aufschläge möglich – sofern die Chip-Preise nicht doch wieder einbrechen.
"Über die wahren Gründe kann man nur spekulieren", erklärt George Linardatos, General Manager bei Transcend, gegenüber heise resale. "Einige taiwanische Chip-Hersteller haben beschlossen, den Output an DDR2- und DDR3-Chips zu drosseln. Entscheidend ist hier die Frage, ob es sich um natürliche Engpässe handelte oder um eine künstlich herbeigeführte Situation auf den Chip-Märkten. Davon hängt es nämlich ab, ob diese Steigerungstendenzen von Dauer sein werden oder nach einer kurzen Zeitspanne wieder in sinkende Preisniveaus umkippen." Aktuell gäbe es keine klaren Anzeichen, dass Großabnehmer nicht ausreichend beliefert werden könnten. Demzufolge dürfte es sich hierbei eher um eine kurzfristige Aufwärtstendenz handeln.
"Mit deutlichem Abstand verkaufen sich DDR3-Module aktuell am besten", erklärt Frank Borkowski, stellvertretender Produktmanager RAM im Einkauf bei Devil. "Der Trend geht verstärkt zu Einzelmodulen und Kits, die auf vier GByte mit 1333 MHz basieren." Zudem sei ein klarer Aufwärtstrend hin zu DDR3-1600-Modulen zu verzeichnen.
"Das dritte Quartal lief sehr gut", sagt Peter Zorn, Leiter Einkauf bei B.Com. "Die Nachfrage ist sehr hoch, wird aber noch weiter anziehen. Das Jahresendgeschäft macht sich nun bemerkbar."
Der durchschnittliche Angebotspreis im Onlinehandel liegt laut heise resale Preisradar in der KW 39 mit 31,17 Euro noch um zirka elf Prozent unter dem Stand der KW 35. Am meisten gesucht ist in dieser Woche der Notebook-Speicher Kingston Hyper X KHX4200S2LL/2G (26,81 Euro) mit zwei GByte. Ebenfalls gesucht das DDR2-800-Kit Geil PC3-10667U (55,71 Euro) mit vier GByte.
Q4 im Zeichen der Verknappung
"Wir gehen davon aus, dass die Preise weiterhin leicht steigen werden und die Verfügbarkeit gegeben ist", beschreibt B.Com-Manager Zorn seine Erwartungen für das vierte Quartal. "Vor allem die Entwicklung des Dollars wird die Preissteigerungen beeinflussen. Der Speichermarkt wird zum Jahresende hin nochmal richtig in Schwung kommen."
Bei der Preisbeobachtung unterstützten uns:
Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom GmbH
Ingram Micro GmbH
Devil-Manager Borkowski sieht das ähnlich: "Je nach Nachfrage kann die Ware in einigen Bereichen knapper werden. Die Hersteller dürften in der aktuellen Situation bemüht sein, mit geringeren Produktionsmengen vorhandene Überschüsse zu kompensieren, um profitable Preise zu erzielen. Im Bereich DDR1 haben die meisten Hersteller die Produktion aus Kostengründen bereits eingestellt, so dass hier nicht mit Preisschwankungen zu rechnen.
Für Transcend-Manager Linardatos ist zum Jahresende alles möglich: "Im vierten Quartal ist die Allokations-Wahrscheinlichkeit höher als in den anderen Quartalen. Das gilt sowohl für DRAMs als auch für NAND-Flash-Chips." (map)