Fusion auf Schweizer Telecom-Markt weckt Wimax-Phantasien

Mit der Übernahme der Inventis durch die Casaplan Holding entsteht ein landesweites Monopol für den Aufbau und Betrieb von Telecom-Netzen, das an UMTS und Triple Play verdienen will. Spekulationen um einen Einstieg ins Wimax-Geschäft dementiert Casaplan.

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Von
  • Ekkehard Jänicke

Mit der Übernahme ihres Wettbewerbers Inventis AG durch die schweizerische Casaplan Holding AG baut die Holding ihre in der Schweiz marktbeherrschende Position in den Bereichen Auf- und Ausbau sowie Betrieb und Unterhalt von Mobilfunknetzen aus und erhält Kompetenzen im Festnetzbereich hinzu. Damit ist das Know-How für Triple-Play-Ambitionen der Netzbetreiber in einem Unternehmen gebündelt. Aktuell setzt die Holding auf einen forcierten Ausbau des UMTS-Mobilfunks in der Schweiz, für den Anfang Juni die größte Hürde fiel, indem eine Studie erschien, nach der keine Auswirkungen kurzfristiger UMTS-Mobilfunkstrahlung auf das Wohlbefinden von Menschen festgestellt wurden. Die nunmehr auch online verfügbare Studie der Uni Zürich wird vom Regulierer BAKOM als wichtiger Hinweis darauf verstanden, dass die in der Schweiz geltenden Grenzwerte die Bevölkerung nach heutigem Wissensstand ausreichend schützen – mögliche Langzeitauswirkungen müssten aber weiterhin im Auge behalten werden.

Die Casaplan Holding AG setzte sich bislang aus den Gruppengesellschaften Ingenys AG, Telecom Treuhand AG, Arxom SA und TPN AG zusammen. Die nun neu dazugekommene Inventis agiert als Generalunternehmer in den Bereichen Funknetzplanung, Standortakquisition, Engineering, Realisierung, Unterhalt und Messung für Mobil- und Festnetzkommunikation. Zum Angebot der Firmengruppe zählen die Bereiche Netzoptimierung, Funknetz-Planung und die Messung nicht-ionisierender Strahlung (NIS – auch Elektrosmog genannt), die auch im Mittelpunkt der Zürcher Studie stand.

Die Inventis AG ist seit 1998 in der Telecom-Branche tätig und erwirtschaftete im Schnitt rund 15 Millionen Franken (10 Millionen Euro) Jahreesumsatz. Bislang hielt der frühere Schweizer Telecom-Monopolist Swisscom über seine Mobilfunktochter eine 30-prozentige Minderheitsbeteiligung an der Inventis AG, der nun an die Casaplan Holding übergeht. Die gewachsene Casaplan-Gruppe beschäftigt nun rund 300 Mitarbeiter in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich. Für Europa peilt das Unternehmen in diesem Jahr einen Jahresumsatz 2006 von 85 Millionen Franken (55 Millionen Euro) an, wobei der Löwenanteil mit 70 Millionen Franken auf das Geschäft in der Schweiz entfällt. Finanzielle Details zur Inventis-Übernahme wurden nicht genannt.

Offenbar etwas von Schweizer Patriotismus übermannt riefen diverse Analysten in den Medien bereits weiterreichende Kooperationen Schweizer Telecom-Unternehmen aus – so zwischen Casaplan und der ebenfalls in der Schweiz ansässigen Wimax Telecom Group, die Wimax-Lizenzen in Mittel- und Osteuropa besitzt. Genährt wurden die Spekulation etwa durch die Ernennung von Bela Virag, zuvor Berater bei Arthur D. Little zum Chief Operating Officer (COO) der Wimax Telecom Group. Dies wurde als Signal gedeutet, dass in der Schweiz Know-How in hochgehandelten Technologien wie Wimax gebündelt werde. Gegenüber heise online verneinte Dov Bar-Gera, CEO der Wimax Telecom Group jedoch diese Spekulationen. (Ekkehard Jänicke) / (ssu)