Eine schmutzige Angelegenheit

Neuseeland bangt um einen seiner Touristenmagnete: Nach der Havarie eines Frachters bedroht ein kilometerlanger Ă–lteppich eine Bucht auf der Nordinsel. Ein Umdenken in der Schiffsbranche ist dringend erforderlich.

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Von
  • Tanja Ellinghaus

Dieses Mal hat es Neuseeland erwischt – ein fünf Kilometer langer Ölteppich gefährdet die Bay of Plenty, nachdem in der Bucht auf der Nordinsel in der vergangenen Woche der Frachter „Rena“ aus Liberia auf Grund gelaufen ist. Erste Ölklumpen haben den Strand eines Badeorts erreicht, und offenbar läuft mehr Öl aus als erwartet.

Das Ereignis weckt Erinnerungen an die Katastrophe im Golf von Mexiko nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im April vergangenen Jahres. Nach Schätzungen des Alfred-Wegner-Instituts strömten dabei zwischen 500.000 und eine Million Tonnen Öl ins Meer. Dagegen erscheint die geladene Menge Schweröl an Bord der Rena relativ klein: Gerade mal 1.700 Tonnen des Treibstoffs hatte die „Rena“ an Bord, zwischen 130 und 340 Tonnen Schweröl sollen bis jetzt ausgelaufen sein. Aufgrund des schlechten Wetters ist es allerdings derzeit unmöglich, das restliche Öl abzupumpen. Es besteht die Gefahr, dass das Schiff auseinanderbricht, noch mehr Öl verliert und damit eine der schwersten Katastrophen Neuseelands verursacht.

Die Ölmengen müssen nicht gigantisch sein, um große Schäden zu verursachen – bereits 100 Tonnen reichen, um Tausenden Seevögeln das Leben zu kosten. Umso unverständlicher ist es, dass aus vorangegangenen Ölkatastrophen so wenig gelernt wurde: Lasche Sicherheitsbestimmungen und fehlende Kontrollen begünstigen diese Vorfälle. So wurden nach Angabe der Seefahrergewerkschaft Maritime Union bereits im Vorfeld bei einer Inspektion der Rena Mängel sowie Probleme mit den Seekarten festgestellt. Weshalb diese Fehler nicht behoben wurden, ist derzeit nicht geklärt. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll ist, in besonders gefährdeten Gebieten eine Lotsenpflicht einzuführen, da immer mehr Schiffe aus aller Welt mit immer größeren Frachtern auf unbekanntem Terrain unterwegs sind. So havarierte im April 2010 ein chinesischer Kohlefrachter im hochsensiblen Great Barrier Reef vor Australien, genauer gesagt in der Schutzzone, fernab der Schifffahrtsstraße.

Unfälle im Schiffsverkehr lassen sich nicht immer verhindern, aber die Sensibilität für das Ökosystem Meer und die Küstenregionen muss wachsen. Der Einsatz von umweltschädlichem Schweröl als Treibstoff und mangelnde Naviagtionserfahrung gefährden Mensch und Natur immer stärker. Eine bessere Ausbildung des Schiffspersonals, stärkere Kontrollen und vor allem die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien sind unabdingbar. (wst)