Psychologen warnen vor zunehmender Internetsucht chinesischer Jugendlicher

15 Prozent der Jugendlichen sollen nach einer Studie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften internetsĂĽchtig sein.

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  • Florian Rötzer

Wissenschaftler am Psychologischen Institut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften warnen in einem Bericht davor, dass chinesische Jugendliche zunehmend durch Internetsucht gefährdet seien. Womöglich habe China die größte Zahl an internetsüchtigen Jugendlichen weltweit. Im Unterschied zu ihren Alterskollegen im Westen würden die chinesischen Jugendlichen vor allem von Computerspielen, weniger von virtuellen Beziehungen oder Pornografie verlockt. Gefährdet seien überwiegend die "braven" Kinder, die in den Schulen gute Ergebnisse erzielen.

"Internetsüchtige sind in China zehn Jahre jünger als im Westen", sagt Gao Wenbin, ein Psychologe des Instituts. Die meisten seien zwischen 15 und 20 Jahre alt. Angeblich benötigten in großen Städten wie Peking bereits 15 Prozent dieser Altersgruppe dringend Hilfe. Von den 18,3 Millionen Internetnutzern unter den Teenagern seien mehr als zwei Millionen süchtig. Ihre Sucht nach der virtuellen Welt beeinträchtige ihre Leben in der wirklichen Welt. Da die meisten Internetsüchtigen Jungen seien, die in – oft illegal betriebenen – Internetcafes online gehen, gingen daraus, so warnt Gao, Diebstahl, Raub und sogar Mord hervor. Jungen bräuchten zwar Spiele, bekämen aber in den Schulen im Unterschied zu den Mädchen nicht genügend Anregungen. Als gute Schüler würden sie frustriert. "Sie haben so viele Probleme und keine Lösungsmöglichkeit, daher gehen sie ins Internet."

Für Tao Ran, Direktor des Therapiezentrums für Internetsüchtige in Peking, ist die Internetsucht auch eine Folge der 1-Kind-Politik in China. Die Kinder seien Zuhause alleine und hätten keine Gesellschaft. Zudem hätten sich die Breitbandverbindungen so schnell verbreitet, dass die Eltern das Internet zu wenig kennen. Die Kinder betrachteten das Internet als Spielzeug und nicht als Werkzeug. (fr)