Google, Washington und die NASA
Im Silicon Valley kritisieren Kommunalpolitiker ein Steuergeschenk beim Google-Neubau, während der Suchmaschinenkonzern ein Büro für Lobbyarbeit in Washington eröffnet.
Der kürzlich angekündigte Bürokomplex, den Google auf NASA-Gelände errichten will, hat einige Kritiker auf den Plan gerufen. Verärgert zeigten sich vor allem die Kommunalbehörden, denen Steuereinnahmen von drei Millionen US-Dollar pro Jahr entgehen, weil das Baugrundstück Bundeseigentum ist. Die Immobilienbranche befürchtet einen weiteren Preisverfall durch die 90.000 m² Büroflächen, die Google auf dem 800 Hektar großen Moffett Field unweit des Google-Hauptquartiers in Mountain View (Nordkalifornien) errichten will: Im
Silicon Valleystehen 15 Prozent aller BĂĽros leer.
Google stellt derzeit durchschnittlich zehn neue Mitarbeiter pro Tag ein und leidet deshalb an akuter Raumnot. Bereits seit letztem Jahr war der Internetdienst auf der Suche nach zusätzlichen Büroflächen. Erst durch die Zusammenarbeit mit dem nahe gelegenen Ames Research Center der NASA kam Google an das preiswerte Grundstück auf dem ehemaligen Militärflugplatz. Die NASA, die selbst mehrere hundert Arbeitsplätze abbauen will, erhofft sich von Google Impulse für die Auswertung der riesigen Datenmengen, die bei Weltraummissionen anfallen.
Unterdessen baut Google auch auf anderer Ebene seine Kontakte zur Politik aus: Das Unternehmen will demnächst ein Büro für Lobbyarbeit in Washington D.C. einrichten. Dort wird der ehemalige Computerwissenschaftler Alan Davidson im Namen Googles vor allem für dezentral organisierten, freien Internetzugang kämpfen und dafür Sorge tragen, dass rigider Schutz geistigen Eigentums und Haftbarkeit für automatisch indexierte, strafbare Inhalte die Arbeit der Suchmaschine nicht gefährden. Google-Manager Andrew McLaughlin kündigt bereits ähnliche Lobby-Vertreter in anderen Staaten an.