Einmal Weltraum und zurĂĽck
Gestern wurde der erste Flughafen für Weltraumtouristen in New Mexico eröffnet. Wer einen der Kurztrips ins All im Auge hat, sollte allerdings das Kleingedruckte genau lesen.
- Veronika Szentpetery-Kessler
Mein coolster Traum, an den ich mich erinnern kann, geht so: Ich stehe in der sonnendurchfluteten Lobby eines Hotels, als mein Handy klingelt. Aus dem Hörer quäkt die fröhliche Stimme einer früheren Studienkollegin aus Braunschweig und ich frage sie begeistert, ob sie denn wüsste, wo sie mich gerade erreicht. Ich sei nämlich auf Dienstreise auf dem Mond – während des Gesprächs blickte betrachtete ich fasziniert einen vor dem Hoteleingang aufgestellten, spinnenartigen Bagger mit vielen Armen – und mein Flug zurück zur Erde ginge gleich. Ich weiß noch, dass ich beim Aufwachen dachte, wenn das die Nebenwirkung von zu viel Arbeit über technische Innovationen ist, dann kann ich damit gut leben. Und unter Geeks taugt die Geschichte vielleicht sogar zum Partygespräch.
Nun gibt es noch keine Linienflüge zum Erdtrabanten. Wer aber im Urlaub schon wirklich überall war und das nötige Kleingeld besitzt, könnte auf der nächsten Party statt von der letzten Privatsafari oder der Besteigung des Mount Everest beiläufig vom Blick auf den Blauen Planeten schwärmen. Denn der schillernde Geschäftsmann Sir Richard Branson, Besitzer der Virgin Group, hat gestern im US-Bundesstaat New Mexico schon einmal den Weltraumhafen „Spaceport America“ eröffnet.
Bisher sind zwar nur Reservierungen möglich, die zweieinhalbstündigen Ausflüge ins Weltall mit dem Überschallflieger „Spaceship Two“ sollen erst irgendwann in den kommenden zwei Jahren starten. Doch immerhin 430 Enthusiasten wollen sich laut der Hannoverschen Allgemeinen (HAZ) den 200000 Dollar (rund 144000 Euro) teuren Kurztrip – sozusagen fürs schmale Millionärs-Portmonee – auf keinen Fall entgehen lassen und haben bereits eine Anzahlung geleistet (wer interessiert ist, kann sich an den deutschen Luxusreisenanbieter Designreisen wenden). Das lässt sich im Vergleich zu den etwa 30 Millionen Dollar teuren Flügen zur Internationalen Weltraumstation ISS schon eher verschmerzen, die sich bisher nur eine Handvoll wirklich gut betuchter Geschäftsleute leisten konnte.
Böse Zungen könnten jetzt einwenden, dass das Ganze kaum mehr ist als eine teure Achterbahnfahrt und fünf Minuten Partyruhm. Der Teil der Reise, der einen Blick auf die Erde erlaubt, dauert gerade einmal vier Minuten (auch wenn anscheinend jeder einen Fensterplatz bekommt). Und dafür muss man sich auch noch medizinisch gründlich durchleuchten und sich zu Trainingszwecken mehrere Tage durchschleudern lassen. Aber ich persönlich denke, dass der Kollege von der HAZ recht hat: ein leicht zu übersehender Aspekt – und ich frage mich, ob er im Kleingedruckten steht – stellt all diese Überlegungen in den Schatten und sollte daher genauestens überlegt sein: Eine Toilette nämlich sucht man auf der Spaceship Two vergeblich. (vsz)