ESA will neuen Polarforschungs-Satelliten starten

Eine Wiederholung des Projektes soll nun durch finanzielle Umschichtungen ermöglicht werden, sagte die ESA-Sprecherin; der Bedarf für einen solchen Satelliten sei da.

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  • JĂĽrgen Kuri

Trotz Absturzes ihres Klimaforschungssatelliten Cryosat will die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) das Projekt nicht aufgeben. "Wir werden alles tun, um einen zweiten Start hinzukriegen", sagte die Sprecherin Jocelyne Landeau lat dpa. Die ESA werde sich außerdem offiziell bei der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos darüber beschweren, dass man erst Stunden nach dem Absturz informiert worden sei.

Die Raumsonde war kurz nach dem Abheben von Plessezk (Russland) am Samstag wahrscheinlich in die Lincoln-See nordöstlich Grönlands gestürzt. Zunächst sah zwar alles nach einem glatten Start aus: Am Sonnabend um 17.02 Uhr hob eine "Rockot"-Trägerrakete am russischen Raumbahnhof Plesetsk, etwa 800 Kilometer nördlich von Moskau, mit dem europäischen CryoSat-Satelliten an Bord ab. Doch dann schaltete sich anscheinend das Haupttriebwerk der zweiten Raketenstufe auf Grund eines Onboard-Kommunikationsfehlers nicht wie vorgesehen ab und brannte bis zum Aufbrauchen des Treibstoffs weiter. Auch die Oberstufe der Rakete sei nicht planmäßig von der zweiten Stufe abgetrennt worden, hieß es.

Bei der 136 Millionen Euro teuren Mission sollte Cryosat drei Jahre lang die Eisdicke an Nord- und Südpol messen, um Daten zum Verständnis des globalen Klimawandels zu sammeln. Gebaut wurde Cryosat von der EADS-Astrium GmbH in Friedrichshafen am Bodensee; bei der IABG wurde der Satellit getestet.

Eine Wiederholung des Projektes soll nun durch finanzielle Umschichtungen ermöglicht werden, sagte die ESA-Sprecherin. Mit der Finanzierung sollen sich demnächst die ESA-Mitglieder beschäftigen. Zusätzliche Mittel könnten jedoch dafür nicht bereitgestellt werden. "Der Bedarf (für einen solchen Satelliten) ist da", betonte Landeau. Sie ließ offen, wann es zu einem erneuten Start kommen könne. Ein Duplikat von Cryosat gibt es nicht; der Neubau soll allerdings auf Grund der vorliegenden Pläne und der gesammelten Erfahrungen nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen wie bei der ersten Sonde. (jk)