Sharp bringt Smartphones nach Deutschland – und jetzt?

Vor fünf Jahren hatte sich der japanische Technologiekonzern Sharp aus dem deutschen Mobilfunkmarkt verabschiedet – nicht gerade wegen des übergroßen Erfolgs. Jetzt nehmen Nippons Söhne mit einem 3D-Smartphone einen neuen Anlauf. Ein Blick auf die Vertriebs- und Marketingstrategie.

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Von
  • Damian Sicking

Aquos Phone SH80F von Sharp

(Bild: Sharp)

Lieber Telekommunikationsexperte Sascha Hancke,

die Wirtschaftswoche hat in der Ausgabe 43/11 von vergangener Woche ein paar interessante Fakten rund ums Smartphone veröffentlicht. Nicht die üblichen Marktanteile, sondern sozusagen dem Volk aufs Maul geschaut. Aufschlussreich zum Beispiel die Antworten auf die Frage, warum sich die Deutschen ein Smartphone kaufen (Mehrfachnennungen waren möglich):

  • Um Internet und Mail zu nutzen – sagen 86 Prozent der Befragten
  • Um technisch auf dem neuesten Stand zu sein – 84 Prozent
  • Um schick und modern zu sein – 83 Prozent
  • Um Apps nutzen zu können – 77 Prozent
  • Um Spiele zu spielen – 69 Prozent
  • Um dazuzugehören – 67 Prozent
  • Weil es einfacher und lesbarer zu handhaben ist – 52 Prozent

Zudem wollte die "Wiwo" wissen, welchen Smartphone-Marken die Deutschen vertrauen. Das Ergebnis ist für mich überraschend, zumindest was die ersten beiden Plätze betrifft (auch hier waren Mehrfachnennungen möglich):

  • Samsung – sagen 69 Prozent der Befragten
  • Sony Ericsson – 64 Prozent
  • Apple – 63 Prozent
  • Nokia – 59 Prozent
  • Blackberry – 54 Prozent
  • LG – 53 Prozent
  • HTC – 52 Prozent
  • Motorola – 44 Prozent

Was viele Anwender sicher auch nicht wissen und aus der Wiwo erfahren: Vier mal größer ist die Datenmenge, wenn ein Nutzer ein und dieselbe E-Mail von einem iPhone sendet statt von einem Blackberry. Das ist natürlich vor allem dann relevant, wenn die Nutzer viel im Ausland unterwegs sind und dort die kostspieligen Roaminggebühren zahlen müssen. Blackberry-Firma RIM hatte einen erheblichen Aufwand betrieben, um die Datenmengen bei E-Mails zu komprimieren. Ob das die Unternehmen wissen, die in zunehmendem Maße ihre Blackberrys durch Apples iPhones ersetzen? Computacenter bindet nach eigenen Angaben inzwischen in 80 Prozent der Mobilfunkaufträge Apples iPhone in Firmennetze ein, meistens auf Wunsch der jeweiligen Chefetage.

Lieber Herr Hancke, welcher Anbieter fehlt in der obigen Auflistung der Wiwo? Richtig, Sharp. Wie, Sharp, wird manch einer denken, Fernseher von Sharp, ja klar, kenn ich, aber Smartphones? Nun, erstens ist Sharp im Heimatland Japan eines der marktführenden Unternehmen im Smartphone-Segment, und zweitens ist Sharp seit Ende vergangener Woche auch in Deutschland mit einem Smartphone vertreten. Mit einem Smartphone, das sich sehen lassen kann, wie man hinzufügen sollte. Es sind vor allem zwei Punkte, welche das neue Sharp "Aquos Phone SH80F" auszeichnen. Zum einen das brillante Display – hier zeigen die Japaner, das sie zurecht ein Spitzenanbieter in der Display-Technik sind. Und zum anderen handelt es sich bei dem Aquos Phone um das nach LG Optimus 3D und HTC Evo 3D dritte in Deutschland erhältliche 3D-Smartphone. Was mich besonders beeindruckt hat: Das Sharp-Gerät wandelt sogar 2D-Aufnahmen und Spiele in eine dreidimensionale Welt um. Nicht schlecht, wenn man auf so etwas steht.

Die technischen Daten des Geräts sind in den Medien ja inzwischen ausführlich vorgestellt worden. Aber wie sieht´s in Punkto Vertrieb und Marketing aus? Hierüber habe ich mich in der vergangenen Woche mit Ramy Nasser unterhalten, European Account Manager der Sharp Telecommunications of Europe LTD. Was den Vertrieb des neuen Sharp-Smartphones betrifft, so setzen die Japaner hierzulande auf wenige ausgewählte Partner. Einer davon ist Media-Markt, ein anderer The Phone House, der Dritte im Bunde soll Amazon werden. Ein Vertrieb über Distributoren und Fachhändler ist nach Angaben von Sharp-Manager Nasser vorerst nicht vorgesehen. Dann schon eher über die Netzbetreiber, mit denen man im Gespräch sei.

Kundenseitig adressiert Sharp in erster Linie Privatanwender, die nicht auf jeden Euro sehen müssen, bevor sie ihn ausgeben. Mit rund 600 Euro Straßenpreis ohne Vertrag ist das Gerät in der Tat kein Schnäppchen. Das Spielen von 3D-Spielen oder das Ansehen von 3D-Filmen, also die Stärken des Gerätes, sind für Business-Anwender auch nicht die entscheidenden Kauf- bzw. Nutzenkriterien. Amüsante Nebenbemerkung: Bei der Demonstration des Gerätes und seiner Vorzüge hat Sharp-Manager Nasser nicht ein einziges Mal übers Telefonieren gesprochen. In Punkto Werbung und Marketing Communication überläßt Sharp weitgehend den Vermarktungspartnern das Feld (MSH läßt sich diese Leistung ja auch bekanntlich großzügig vergüten), will aber selbst auch Print- und Onlineanzeigen schalten. Außerdem erhoffen sich die Telekom-Leute von Sharp einen gewissen Werbeeffekt von der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr; hier fungiert Sharp als einer der Hauptsponsoren. Eine aggressive Marktanteilsstrategie wie Samsung oder HTC kommt für Sharp nach Angaben von Nasser nicht in Frage.

Hat Sharp eine Chance in Deutschland? Wenn Sie mich fragen: Ja. Der Markt ist enorm kompetitiv und von einer unglaublichen Bewegung auf Anbieterseite geprägt. Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass HTC einmal eine so große Rolle spielen würde. Oder Apple. Oder dass Nokia derart abstürzen würde. Auch der Stern von Motorola ist verblasst. Wenn in diesem Marktsegment ein Anbieter mit den richtigen Produkten und der richtigen Vermarktungsstrategie daherkommt, kann er ganz nach oben kommen. Aber viel interessanter als meine Sicht auf die Dinge ist natürlich Ihre Einschätzung, lieber Herr Hancke. Sie sind ja nicht nur aufgrund Ihrer Jobs als Einkaufsleiter und Produktmanager Telekommunikation bei Media-Markt, sondern auch aufgrund Ihrer Vergangenheit beim Hersteller (LG) und Netzbetreiber (Telekom) ein ausgewiesener Experte für das Mobile Business. Daher hat Ihr Urteil und Ihre Bewertung des Sharp-Engagements im deutschen Mobilfunkmarkt natürlich einiges Gewicht. Also: Wie sehen Sie die Chancen von Sharp und was muss das Unternehmen Ihrer Meinung nach tun, um in diesem Segment in Deutschland erfolgreich zu sein?

Beste GrĂĽĂźe!

Damian Sicking

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