Porentiefe Reinheit fĂĽr Domain-Selbstverwaltung

Bei der Zulassung neuer Top Level Domains will die zuständige ICANN auf ein "quietschsauberes" Verfahren achten. Dazu sollen neue Regeln zur Vermeidung von Interessenskonflikten aufgestellt und alte ergänzt werden.

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Von
  • Monika Ermert

"Quietschsauber" muss es beim geplanten Zulassungsverfahren der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) fĂĽr neue Top Level Domains (.nyc, .bayern, .meinefirma) ab Januar zugehen. Das forderte ein Regierungsvertreter im Rahmen einer der zahlreichen Sitzungen der DNS-Selbstverwaltung beim 42. ICANN-Treffen in Dakar.

Regeln zur Behandlung von Interessenskonflikten im Vorstand und zur sicheren Gleichbehandlung aller TLD-Bewerber seien "dringend" erforderlich, meinten Vertreter von Regierungen, Nutzern und Unternehmen. Ausgelöst hatte die Debatte der Wechsel des früheren ICANN-Vorstandschefs Peter Dengate Thrush zu einem der aggressivsten TLD-Bewerber. Dieser "Sündenfall" geisterte durch alle Debatten zum Thema Interessenkonflikte, und trotz fehlender Regeln ließ sich der Vorstand unter Steve Crocker zu einer Verurteilung des Neuseeländers hinreißen.

Gerard de Graaf, Direktor aus dem Kabinett der EU-Medienkommissarin Kroes, empfahl der ICANN weitgehende Änderungen. Sie reichen von der Einführung einer "Abkühlungsphase" für scheidende Angestellte und Direktoren bis zur Bezahlung der Vorstände. Diese arbeiten bislang bis auf den Vorsitzenden ehrenamtlich. Entlohnung, so de Graaf, könnte ihre Abhängigkeit von Marktteilnehmern im Domain-Geschäft verringern. Als Selbstverwaltung ist die ICANN allerdings von Beginn an von den zu Verwaltenden mitregiert worden. Den gesamten Prozess zur Entwicklung neuer Regeln tragen gemischte Gremien wie die Generic Name Supporting Organisation mit.

Die Hälfte der stimmberechtigten Vorstandsmitglieder bestimmen die ICANN-Gremien selbst. Sie entsenden auch Vertreter von Domain-Unternehmen oder Registraren. Crockers Erklärung zu finanziellen Interessen enthält unter anderem einen Vertrag mit dem US-Heimatschutzministerium über die Entwicklung von DNSSEC. Sein Vertreter Bruce Tonkin ist Chief Strategy Officer des australischen Registrars Melbourne IT.

Tonkin verwies auf die bestehenden Regeln der ICANN zu Interessenkonflikten und zur Organisationsethik. Er hatte sich aus Diskussionen herausgehalten und nicht mit abgestimmt, wenn es um Entscheidungen für neue Top Level Domains ging, von denen sein Arbeitgeber profitieren könnte. Abkühlungszeiten dürften angesichts der Struktur der Selbstverwaltung wohl vor allem für die Hauptamtlichen sinnvoll sein, die möglicherweise in Zukunft das TLD-Zulassungsverfahren abwickeln.

ICANNs Noch-Präsident Rod Beckstrom wies darauf hin, dass er mit dem TLD-Zulassungsverfahren bereits striktere Regeln für das Verhältnis der hauptamtlichen Mitarbeiter zu Bewerbern durchgesetzt habe. Die ICANN-Experten dürften sich nicht einladen lassen, beim Gespräch mit Bewerbern hätten sie jeweils zu zweit zu sein und den Vorgang zu protokollieren. Die ICANN, so versicherte Beckstrom mehrfach, diene nicht in erster Linie dem Domainmarkt, sondern den Interessen einer weltweiten Öffentlichkeit. Bis zum 8. Dezember will der Vorstand nun zusätzliche Regeln entwerfen und bestehende ergänzen, um Unbestechlichkeit und Neutralität der Selbstverwaltung zu garantieren. (ck)