Open Source als Mittel zur industriellen Software-Herstellung

Hersteller von proprietärer Software geben von ihren Produkten nur so viel preis, wie unbedingt nötig ist. Open Source als radikal anderer Ansatz könnte aber auch ein besseres Modell für industrielle Softwarefertigung sein.

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Von
  • Sascha Mattke

Die Software-Branche wird beherrscht von Anbietern mit monopolartiger Stellung, die ein großes Interesse daran haben, wichtige Schnittstellen und die interne Funktionsweise ihrer Programme geheim zu halten. Das ist die logische Folge der Betrachtung von Software als Ware, bei der jede einzelne Kopie bezahlt werden muss, obwohl deren Herstellung keine zusätzlichen Kosten verursacht. Jedoch gewinnt Open Source als Gegenbewegung an Dynamik und könnte den Weg frei machen zu wirklich besseren Computern. Das berichtet Technology Review in seiner neuen Ausgabe.

Bei Open Source liegt der Quellcode definitionsgemäß offen. Damit sind automatisch auch die verwendeten Schnittstellen und Protokolle dokumentiert. Das eröffnet die Möglichkeit, die Software-Entwicklung modular anzugehen: Statt ein Programm komplett neu zu schreiben, können Unternehmen im Open-Source-Umfeld auf bestehende Module zurückgreifen und sie eventuell für die eigenen Bedürfnisse anpassen -- gemäß den meisten Open-Source-Lizenzen fällt diese Arbeit wieder an die Allgemeinheit zurück.

Technology-Autor Rafael Laguna, selbst Gründer mehrerer Software-Unternehmen und heute Wagniskapital-Berater, zieht eine Parallele zur Auto-Industrie: Schon seit Jahrzehnten entwickeln die großen Hersteller hier nicht mehr komplette Fahrzeuge selbst, sondern beziehen Module von der Schraube bis hin zu kompletten ABS-Komponenten von Zulieferern. Das ist nur möglich auf der Grundlage von Standards und Normen. In der Software-Industrie könnte es ähnlich kommen. Allerdings sind dafür Geschäftsmodelle nötig, die ohne die Lizenzeinnahmen funktionieren, die heute typischerweise etwa ein Drittel der Umsätze von kleinen und mittleren Software-Unternehmen ausmachen.

Siehe dazu in der neuen Ausgabe von Technology Review:

  • Software: Endlich frei, Technology Review 3/05, S. 60

Die aktuelle Ausgabe Technology Review 3/05 liegt ab dem 24. Februar am Kiosk. Sie lässt sich auch online bestellen. (sma)