Themenmolekül: Auch Raketen dürfen schön sein
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit einer Totenschädellochkamera, Whisky in Laborflaschen und japanischem Retrofuturismus.
- Peter Glaser
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit einer Totenschädellochkamera, Whisky in Laborflaschen und japanischem Retrofuturismus.
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen.
Ein Google für negative Resultate: BioNOT ist eine durchsuchbare Datenbank mit Experimenten und Untersuchungen aus der Biomedizin, die KEINE Ergebnisse erbracht haben – was von großem Interesse sein kann. Derzeit enthält BioNOT etwa 32 Millionen Nicht-Ergebnisse, die aus über 336 Millionen Quellen extrahiert wurden. Die BioNOT Datenbank kann eine nützliche Ressource für die biomedizinische Forschung sein und ist frei verfügbar.
Unverzichtbar für Freunde von Mikroslopier-Antiquitäten: Eine wundervolle Sammlung von alten Objektträgern, ursprünglich Elfenbein- oder Knochenscheibchen mit in Glimmerplättchen eingebetteten Objekten, wie sie im viktorianischen England populär waren. Später führte die Royal Microscopical Society die heute noch üblichen Objektträger in Form schmaler Glasstreifen ein. Die alten Stücke sind uner anderem zu finden bei Darwin Country, The Gemmary, der Manchester Microscopical Society und bei Ebay. Mehr dazu bei Ars Mechanica und Microscopy UK.
Was machen Wissenschaftler eigentlich so den ganzen Tag? Matthew Carrano vom Smithsonian Institute, er ist Paläontologe, erzählt ein bißchen was von seiner Tätigkeit, was er gerne entdecken würde und wie man mit Dinosauriern Karriere machen kann.
Japanischer Retrofuturismus: Warum sollen Raketen nicht auch richtig gut aussehen und vor allem: bunter als Haribo-Fruchtmischungen sein dürfen? Vielleicht entsteht daraus auf lange Sicht endlich auch mal eine Lutschrakete. Hier zum Üben schon mal bezaubernde Illustrationen in die Richtung aus dem Film Battle of the Planets. Ein wundervoller Beitrag aus der Reihe "Dance Your Ph.D.": die Geologin Anna Henderson mit dem Isotope Square Dance, einer lehrreichen und munteren Mischung aus traditionellem Square Dance, Clogging und Fiedelmusik aus den Appalachen, die unter anderem die Bewegungsunterschiede zwischen Wasserstoff und Deuterium veranschaulichen soll.
Mehr als zwei Miliarden Menschen leben ohne Elektrizität. Das Portable Light Project ist eine Non-Profit-Idee der Architekten Kennedy & Violich aus Boston. Mit einem in Textil eingearbeiteten flexiblen Stück Photovoltaik und einem mobilen Leuchtkörper soll die dezentrale Versorgung mit erneuerbarer Energie in Entwicklungsländern verbessert werden. Die Solarzellen erzeugen ausreichend Energie für Mobiltelefone oder andere Kleingeräte. Etwas digitale Intelligenz sorgt dafür, dass sich einzelne Geräte, wenn sich die Nutzer in Gruppen zusammenfinden, zu größeren und effizienteren Einheiten zusammenschließen.
Vielleicht nicht ganz das Richtige, wenn man nicht ständig an seine Kreuzschmerzen erinnert werden möchte; andererseits aber eine zwar ungewöhnlich gestaltete, aber womöglich nützliche Einrichtung, um eben diese Kreuzschmerzen bei Anwendung derselben auch wieder loszuwerden: Die Rückgrat-Treppe des britischen Designers Philip Watts.
Das interessante, langsame Auge: YouTube-User SaintJimmey hat sich ein bißchen die Zeit vertrieben und einige bemerkenswerte Zeitlupenaufnahmen von Augen gemacht. Man denkt gar nicht, wie unruhig dieses Organ sein kann. Sehen Sie selbst.
In vielen armen Ländern schwinden die Brennholzvorräte. Wie können die Menschen in ländlichen Gebieten das Essen für ihre Familien zubereiten? Im Jahr 1987 taten sich 17 solar kochende Kalifornier zu Solar Cookers International (SCI) zusammen, um der Frage auf den Grund zu gehen. Sie produzierten eine einfache Solar-Box, die als Herd Verwendung findet, respektibe ein Handbuch, in dem steht, wie man diese Box bauen kann und wie man sie benutzt. Seither haben 30.000 Familien in Süd- und Ostafrika sich dem solaren Kochen zugewandt.
Ein Lichtmolekül zum Selberbauen: Für Freunde organischer Formen ddas modulare "Nomad Light Molecule" des Designstudenten Maarten de Ceulaer aus Eindhoven. Wenn sich eines der Module rot zu färbenbeginnt, möchte es wieder aufgeladen werden.
Wayne Martin Belger ("Boy of Blue Industries") und seine unglaublichen Lochkameras. Hier beispielsweise eine funktionierende Lochkamera aus einem Totenschädel, gefertigt in der Art eines Kultgegenstands (nach dem hinduistischen respektive buddhistischen Todesgott Yama benannt). Die Kamera ist mit Edelsteinen geschmückt, unter anderem einem 5000 Dollar teuren Rubin.
Whisky im Laborflaschen-Design: Da könnten nicht nur Chemiker zum Selbstversuch neigen – die Whisky-Serie "The Elements of Islay" befindet sich in drei Flaschen mit den angenehm kryptischen Namen AR1, CL1 und LP1. Dahinter verbergen sich drei Whiskies aus Ardbeg (AR1), Caol Ila (CL1) und Laphroaig (LP1). Besonders schön sind die klaren, einfachen Flaschen, die an Behältnisse für medizinischen Alkohol erinnern.
Die Online-Daguerreotypie-Sammlung der Universität Harvard: Louis Jacques Mandé Daguerre hat der Welt im Jahre 1839 mit der nach ihn benannten Daguerreotypie die Fotografie geschenkt. Dabei wird in der Ursprungsversion eine silberbeschichtete Kupferplatte mit lichtempfindlichen Chemikalien behandelt, in einer Kamera dem Licht eines jeweils gewünschten Motivs ausgesetzt und hernach mit Quecksilberdampf fixiert. In Harvard sammelt man diese visuellen Dokumente seit mehr als 150 Jahren und ein Teil dieser Sammlung ist nun auch online zugänglich.
Wissenschaftsmomente: Was ist eigentlich ein Musikknochen (das, was die Engländer "funny bone" nennen)? Was haben Fahrräder, Fußbälle und Space Shuttles gemeinsam? Wie sucht man mit Sauerstoff nach fremden Planeten? Mit solchen Fragen befaßt sich die Podcast-Reihe "A Moment of Science" der Indiana University in Bloomington. Die kurzen Beiträge möchten der Wissenschaft "etwas vom Mysteriösen nehmen, aber nichts vom Wunderbaren". (bsc)