BA soll Accenture bei Online-Jobbörse begünstigt haben

Der Bundesrechnungshof kritisiert, dass die Stellenvermittlung über das Internet-Portal schwere Mängel aufweist.

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  • dpa

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) gerät wegen ihrer Online-Jobbörse erneut unter Druck. Die Stellenvermittlung über das Internet-Portal weise schwere Mängel auf, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf den Bundesrechnungshof. Fast jede dritte Suchabfrage habe zu fehlerhaften Ergebnissen geführt, heißt es im Bericht der Rechnungsprüfer an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages. Zudem soll die BA bei der Auftragsvergabe im Zusammenhang mit der Jobbörse eine Firma begünstigt haben. Wegen der Kostenexplosion beim Aufbau des so genannten Virtuellen Arbeitsmarkts war die BA schon einmal heftig in die Kritik geraten.

Der Bundesrechnungshof bemängelt laut FAZ, dass der weit überwiegende Teil der Bewerberprofile und Stellenangebote "unvollständig, nicht aussagekräftig oder nicht schlüssig" gewesen seien. Die Vermittlung über den Virtuellen Arbeitsmarkt habe sich damit "im Vergleich zu den bisherigen Selbstinformationssystemen nicht verbessert", sondern sei teilweise sogar erschwert worden, schreiben die Gutachter. Zudem weise der elektronische Stellenmarkt Defizite in der Funktionstüchtigkeit und Benutzerfreundlichkeit auf.

Nach einem Bericht des Münchner Merkurs hat die Bundesagentur bei der Auftragsvergabe beim Projekt Online-Jobbörse den eigenen Verwaltungsrat getäuscht. Dies gehe aus einem Bericht der Innenrevision hervor, der dem Blatt nach eigenen Angaben vorliegt. Die internen Ermittler werfen der BA-Spitze vor, den Management- und Technologie-Dienstleister Accenture begünstigt zu haben. Accenture hatte danach Einfluss darauf, dass ein Auftrag von drei Millionen Euro nicht an einen Mitbewerber vergeben wurde.

Dem Bericht zufolge verheimlichte die Projektgruppe für den Virtuellen Arbeitsmarkt gegenüber dem Verwaltungsrat, dass Accenture "in enger Abstimmung mit der BA" die Markterkundung für den so genannten Job-Roboter betrieben hat. "Damit hatte der spätere Auftragnehmer Einfluss auf das Ergebnis der Erkundung", kritisieren die Ermittler. Beim Job-Roboter handelt es sich um eine Suchmaschine, die selbstständig nach offenen Stellen im Internet fahndet.

Die internen Ermittler bemängeln zudem, dass der Auftrag mit einem Volumen von drei Millionen Euro nicht europaweit ausgeschrieben wurde. Die Online-Jobbörse hatte bereits mehrfach für Negativ- Schlagzeilen gesorgt. So stiegen allein die Ausgaben für Accenture von 65 auf 98 Millionen Euro. (dpa) / (tol)