Chefvolkswirt der Deutschen Bank rechnet mit mehr ITK-Investitionen

Die deutsche Wirtschaft werde ihre Investitionen um sechs Prozent steigern, prognostizierte Norbert Walter auf einem Symposium. Er sieht die schnelleren Datenverbindungen wie DSL und UMTS als wesentlichen Treiber der "digitalen Wirtschaft".

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Von
  • Torge Löding

Auf dem BT Executive Symposium in München hat Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe, den Wachstumshoffnungen der deutschen ITK-Branche neue Nahrung gegeben. Vor rund 30 Geschäftsführern und Vorständen, die BT nach München eingeladen hatte, bekräftigte der Chefvolkswirt seine Erwartungen für 2005. Die deutsche Wirtschaft werde ihre Investitionen um sechs Prozent steigern. Nachdem die Investitionen drei Jahre lang um 20 Prozent unter dem Niveau der Jahrzehntwende gelegen hätten, bestehe ein erheblicher Nachholbedarf insbesondere im Bereich IT und Netzwerke. "Wenn wir noch länger mit der Modernisierung warten, werden wir im internationalen Vergleich abgehängt. Das aber werden die deutschen Unternehmer nicht riskieren", meinte Walter.

Neben immer billigeren Speichermedien sieht Walter die schnelleren Datenverbindungen wie DSL und UMTS als wesentlichen Treiber der "digitalen Wirtschaft". Einen baldigen Durchbruch erwartet der Wirtschaftsexperte für das "Always-on-Konzept". In drei bis fünf Jahren werde sich das Prinzip, mit mobilen Endgeräten permanent mit einem Datennetz verbunden zu sein, durchgesetzt haben.

Stellung nahm Walter auch zum Thema Offshoring. Kosten seien zwar ein starkes Argument -- so schlage eine Programmierer-Stunde in Deutschland mit 54 Euro zu Buche, in Portugal hingegen mit 14 und in Indien gar nur mit 7 Euro -- aber ebenso wichtig sei die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften. Walter: "Wenn die jungen Leute in Deutschland lieber 'Diskutierwissenschaften' studieren als Mathematik, fehlen uns schlicht die Experten." Insofern könnte auch der Mangel an Fachleuten Unternehmen dazu bringen, sich nach Alternativen im Ausland umzusehen.

Dennoch sei Offshoring kein Allheilmittel, dazu nannte er das Beispiel der Deutschen Bank: "Auch wir haben versucht, ein Call Center nach Indien auszulagern -- aber es hat sich herausgestellt, dass die Kunden das Englisch, das dort gesprochen wird, nicht gut verstehen." Letztlich wurde das Call Center in Berlin eingerichtet, wo jetzt 180 Mitarbeiter in drei Schichten arbeiten. "Die Kunden sind zufrieden -- besser als eine Lösung in Atlanta oder Bangalore ist das allemal."

Die generelle Annahme, Offshoring vernichte Arbeitsplätze im Inland, sei nicht richtig, betonte der Deutsche-Bank-Mann. In den USA führe Offshoring sogar zu einem Gewinn für die heimische Wirtschaft: "Wenn dort Jobs ins Ausland verlagert werden, sind die Leute flexibel genug, andere Tätigkeiten anzunehmen, die am Ende mehr einbringen. In Kontinentaleuropa sind wir leider noch nicht so weit", meinte Walter. (tol)