Messen präsentieren technische Textil-Neuheiten
Mehr als 1000 Aussteller zeigen auf den Messen Techtextil und Avantex in Frankfurt ihre Produkte, beispielsweise einen Handschuh zum Telefonieren oder lichtdurchlässiger Beton.
Ein Handschuh zum Telefonieren, ein Motorradanzug mit intelligentem Aufprallschutz oder lichtdurchlässiger Beton – mehr als 1000 Aussteller präsentieren ihre Neuheiten auf den Messen Techtextil und Avantex in Frankfurt. "Technische Textilien sind heute die am schnellsten wachsende Branche innerhalb der Textilindustrie", erklärte Messe-Geschäftsführer Detlef Braun vor Beginn der Doppelmesse morgen. Deutschland sei der größte Exporteur technischer Textilien, allein die Ausfuhren nach China seien innerhalb eines Jahres um 32 Prozent gewachsen.
1086 Aussteller aus 43 Ländern zeigen bis Donnerstag auf der Techtextil innovative Textilien für technische Anwendungen: Materialien, die in Flugzeugen oder in Autos, für Stadion-Dächer oder beim Brückenbau eingebaut werden können. Bei der – mit 33 Ausstellern weitaus kleineren – Avantex geht es um technisch aufgerüstete Bekleidung. Die neun besten Ideen wurden am Montagabend mit Innovationspreisen geehrt.
Mit dabei: Die Technische Universität Dresden, die in Halle 3 Betonteile zeigt, die aussehen, als hätten sie kleine Löcher. In Wahrheit sind die Hohlräume mit "funktionalen Fasern" gefüllt, die das Licht durchlassen, den Regen aber draußen halten, wie die Dresdner Ingenieurin Annett Dörfel erklärt. Die Technische Universität Chemnitz präsentiert eine Wasser spendende Bewässerungsmatte, die mit 70 Prozent weniger Flüssigkeit auskommt. Dank zweier Vlieslagen und perforierter Schläuche zielt das Produkt vornehmlich auf die Landwirtschaft in heißen Ländern.
Die Sicherheit für Motorradfahrer erhöht eine sieben Millimeter dicke Netzmatte, die in Schutzanzüge eingebaut werden kann. Bei einem Unfall werden die so verstärkten Teile des Anzugs steif, ohne Druck bleibt das Material weich und damit bequem zu tragen. Sales-Manager Jörg Kersten demonstriert mit einem Hammer, wie das geht: Wenn er die Matte langsam eindrückt, pappen die Waben zusammen; wenn er mit Kraft draufhaut, verformt sich das silikonbeschichtete Material gar nicht.
Als "Traum jedes Italieners" preist Sabine Gimpel vom Thüringer Textilforschungsinstitut TITV Greiz einen Skihandschuh, der sich mittels einer Bluetooth-Schnittstelle in ein Handy verwandelt. Am Handgelenk sitzt das Mikrofon, im Daumen der Lautsprecher. Auf dem Handrücken befinden sich Textilknöpfe, mit dem der Skifahrer im Lift das Telefon in seinem Rucksack abheben und auflegen kann.
Manche solcher Erfindungen sind schon im Markt, andere gibt es noch nicht zu kaufen, wie den Badeanzug, der unter Wasser absolut trocken bleiben soll. Den Stoff, aus dem dieser Traum gewebt ist, kann man aber in Frankfurt besichtigen. Bereits in den Läden ist eine Laufjacke, die – wie eine Rettungsweste – mit einem Mundstück aufgeblasen werden kann, damit der Jogger nach dem Training nicht auskühlt, eine "Solarjacke", mit der man sein Handy aufladen kann, und ein Mantelfutter, dessen Poren sich bei Kälte schließen und bei Wärme weiten. (Sandra Trauner, dpa) / (anw)