Noch flacher Fernsehen

Technischer Paukenschlag oder Symbol für die Verflachung der TV-Programme? Die Oled-TVs kommen spät, aber dafür vielleicht gewaltig.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Martin Kölling

Auf der jüngsten Flatpanel-Messe in Yokohama fiel mir eine Technik besonders auf – und zwar durch fast vollständige Abwesenheit: die Oled-TVs. Hier und da wurden zwar die superflachen und bei Bedarf flexiblen Displays aus organischen Leuchtdioden gezeigt. Aber weder Samsung, LG oder einer der japanischen Hersteller zeigte einen TV-Prototypen. Dies kann zwei Gründe haben: Entweder haben die TV-Hersteller die Technik aufgegeben oder sie haben sie so nahe an die Produktreife heranentwickelt, dass sie sich nicht mehr in die Karten schauen lassen wollen.

Dass nicht Frust, sondern die Einführung noch flacherer Fernseher in nicht allzu ferner Zukunft bevorsteht, machte am Wochenende eine Nachricht aus Japan deutlich: Sumitomo Chemicals hat demnach Materialen entwickelt, die eine preiswerte Massenproduktion von Oled-TVs ermöglichen soll. Bereits dieses Jahr will das Unternehmen eine Fabrik in Osaka bauen, um Anfang 2012 mit der Produktion beginnen zu können, berichtete die Zeitung Nikkei. Der jährliche Ausstoß soll letztlich für vier bis fünf Millionen 40-Zoll-Displays reichen.

Bei mehr als 100 Millionen verkauften Fernsehern pro Jahr erscheint dies zwar nicht viel, aber es wäre ein historischer Durchbruch. Denn damit würden die Oleds aus ihrem Nischendasein für Kleinst- und Kleinbildschirme für elektronische Kamerasucher, Handy- oder Tablet-Displays befreit werden, zu dem die hohen Produktionskosten sie bisher verdonnert hatten. Bislang waren Flüssigkristallbildschirme schlicht unschlagbar günstig. Ein weiterer Hinweis: Sony wird seine verbliebene hauseigene LCD-Produktion und -technik für Kleinbildschirme an Japan Display verscherbeln, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Toshiba und Hitachi, das von einem halbstaatlichen Investmentfonds übernommen wird. Die Oled-Technik und -Entwicklung behält Sony allerdings hübsch für sich.

In der Branche ist die Euphorie dementsprechend groß. „Die Amoled-TVs kommen bald“, jubelte auf der Flat Panel Display-Show kein geringerer als der Südkoreaner Ho Kyoon-chung, der für Samsung die Amoled-Bildschirme (active-matrix organic light-emitting diode) in den vergangenen zehn Jahren zur Serienreife entwickelt hat. Eine gute Nachricht für die Industrie, die unter stagnierenden Absätzen und fallenden Preisen leidet, meint Ho. „Dank der Oled-TVs wird der Markt um zehn Prozent jährlich wachsen, ab 2015 werden die Oled-TVs das Hauptprodukt sein.“

Wie bitte, Herr Ho? Ob er nicht befürchte, dass die Hersteller von LCD-TVs ihre Kosten weiter senken, ihre Bildqualität weiter erhöhen und die Bildschirme weiter verschlanken könnten, frage ich ihn ein wenig skeptisch. Aber Ho wischt vor allem die Preisbedenken vom Tisch. „LED-Hintergrundbeleuchtung für LCD-TVs ist recht teuer und nahe am Limit, Oleds haben hingegen noch viel Preissenkungspotenzial.“ Und dann schwärmt er noch von den anderen Eigenschaften seines Kindes: Farbtiefe, Reaktionsfähigkeit – und natürlich flexible Displays. Sein ganz persönlicher Traum hat sich seit seinem Abschied von Samsung allerdings leicht verändert. Ho will bis 2019 eine neue Produktionstechnik zur Marktreife entwickeln: den Rollendruck von Oled-Bildschirmen. Damit wären die Oleds unschlagbar günstig.

Ich bin nun mal gespannt, wann die asiatischen Hersteller ihr Oled-Feuerwerk zünden, nachdem sie ihr Pulver sowohl auf der IFA im September, Asiens größter Konsumelektronikmesse Ceatec und der FPD im Oktober trocken gehalten haben. Ich tippe auf die CES Anfang 2012 in Las Vegas, spätestens die IFA in Berlin. Billig wird das Vergnügen allerdings nicht. (wst)