Ex-Chef der Internetfirma Livedoor beteuert Unschuld in Betrugsprozess

Der Betrugsskandal um Livedoor hatte Anfang vergangenen Jahres zu Panikverkäufen an Tokios Börse geführt, worauf erstmals in der Geschichte der Börse der gesamte Handel wegen eines drohenden Zusammenbruchs des Computersystems abgebrochen wurde.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Der wegen Betrugs angeklagte ehemalige Chef der japanischen Internetfirma Livedoor, Takafumi Horie, hat am Freitag vor Gericht seine Unschuld beteuert. In ihrem Plädoyer warfen die Verteidiger des 34-jährigen einstigen "enfant terrible" der japanischen Unternehmerschaft Medienberichten zufolge den Staatsanwälten vor, den Fall fabriziert zu haben. Die Ermittler hätten Horie in Verhören unter Druck gesetzt und objektive Beweise für das Fehlen strafrechtlicher Fakten ignoriert. Horie wird unter anderem der Verbreitung falscher Finanzinformationen im Zusammenhang mit einer Firmenübernahme sowie der Bilanzfälschung beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft gefordert.

Viele sehen in Horie, der sich in der Öffentlichkeit lieber in T- Shirts als in Anzügen zeigte, einen Rebell gegen die überkommenen Konventionen der alten japanischen Wirtschaftswelt. Für Ältere dagegen ist er der Inbegriff eines Casino-Kapitalismus. Sollte Horie für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis oder ein Bußgeld von bis zu fünf Millionen Yen (rund 32 000 Euro). Ein Urteil in dem Bezirksgericht in Tokio wird am 16. März gesprochen.

Neben Horie sind noch vier weitere frĂĽhere Manager von Livedoor angeklagt. Horie ist jedoch der einzige, der die VorwĂĽrfe zurĂĽckgewiesen hat. Seine frĂĽhere rechte Hand als Finanzchef, Ryoji Miyauchi, hatte sich dagegen schuldig bekannt und gegen seinen einstigen Chef ausgesagt.

Der Abbrecher der Elite-Universität Tokio hatte 1996 mit Freunden eine Webdesign-Firma gegründet und sie durch zahlreiche Firmenkäufe zu Livedoor ausgebaut. Mit seinem provokanten Auftreten sorgte er oft für Aufsehen. So hatte Horie auf spektakuläre Weise, wenngleich erfolglos versucht, den größten privaten Fernsehsender des Landes, Fuji TV, zu übernehmen. Der Betrugsskandal um Livedoor hatte Anfang vergangenen Jahres zu Panikverkäufen an Tokios Börse geführt, worauf erstmals in der Geschichte der Börse der gesamte Handel wegen eines drohenden Zusammenbruchs des Computersystems abgebrochen wurde.

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