Ă–sterreichischer Provider abgetaucht
Vermutlich mehrere hundert Kunden sind vom Aus eines WLAN-Richtfunk-Providers betroffen. Das Unternehmen war mit hohen staatlichen Subventionen bedacht worden.
Ein in den österreichischen Bundesländern Oberösterreich und Burgenland tätiger Internet Service Provider (ISP) ist abgetaucht. Die Büros der unter verschiedenen Namen firmierenden mywave-Gruppe dürften schon seit Wochen oder Monaten nicht mehr besetzt gewesen sein. Nun sind die über WLAN-Richtfunk hergestellten Internetzugänge für Behörden, Unternehmen und Haushalte offline gegangen. Aber auch die auf den Servern des ISP gespeicherten Webseiten und Datenbanken sind unerreichbar. Zwei Unternehmen der Gruppe hatten bereits 2008 beziehungsweise 2009 Insolvenz angemeldet, der Geschäftsbetrieb wurde jedoch über andere Tochterfirmen fortgesetzt.
Die Oberösterreichischen Nachrichten haben das Linzer Büro aufgesucht und fanden vor der versperrten Tür abgelegte Hardware und Antennen. Die Nachbarn berichteten von sich stapelnder Post und einem Polizeibesuch. Der ISP hatte in Oberösterreich einst eine vierstellige Kundenzahl, zuletzt dürften es noch einige hundert gewesen sein. Manche trifft das plötzliche Aus hart. Nicht nur sind sie selbst offline; auch ihre Aufträge, Kundenlisten und sonstige Daten sind mit den mywave-Servern unerreichbar geworden. Ein bestellter Masseverwalter will noch dieses Jahr einen Käufer für mywave finden, bis dahin bleiben die Server unzugänglich.
Eine ähnliche Situation gibt es bei der burgenländischen mywave-Tochter netpark GmbH. Im Burgenland sind die Sender Anfang November ausgefallen, beim ISP ist niemand erreichbar. Die Kammer für Arbeiter und Angestellte (AK) rät betroffenen Kunden, die Gebühren für das dritte Quartal rückbuchen zu lassen.
Unternehmen der mywave-Gruppe wurden vom Land Oberösterreich gefördert. In den Bilanzen der Jahre 2005 und 2006 lassen sich Subventionen in Höhe von 586.000 Euro nachweisen. Damit sollten Regionen erschlossen werden, die noch nicht mit Breitband versorgt waren. Laut Marktbeobachtern hat mywave seine Sender aber häufig dort errichtet, wo bereits andere WLAN-Anbieter tätig waren. Das Land Oberösterreich wird 2012 wieder Subventionen für den Breitbandausbau ausschütten. Der von EU, Bund und Land gefüllte Topf umfasst 5 Millionen Euro. (jh)