Besser als Kino

Nicht erst Schlange stehen, keine nervigen Zwischenrufe und die Pausen selbst bestimmen – im heimischen Wohnzimmer macht Filme gucken einfach Spaß. Mit dem richtigen Equipment ist das Seherlebnis sogar besser als im Kino. Und wer zusätzlich eine 3D-Brille trägt, kann am 3D-fähigen Fernseher oder Beamer in die Bildtiefen eintauchen.

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Der Filmgenuss im Wohnzimmer hat gegenüber dem großen Kino einige Vorteile: Hier krümelt einem niemand Popcorn in den Nacken, der Film beginnt zur gewünschten Zeit und die Lautstärke kann man auch selbst bestimmen. Neben diesen praktischen Vorzügen gibt es weitere Möglichkeiten, das Filmerlebnis zu personalisieren. Wer beispielsweise mit 007 in dessen Muttersprache auf Verfolgungsjagd gehen möchte, wechselt am Blu-ray-Player die Tonspur – und ergänzt dies einfach um deutschsprachige Untertitel, falls die Mitgucker im Englischen nicht sattelfest sind.

Es muss nicht immer eine Blu-ray sein, oft kommen die Filme auch von der Festplatte oder aus dem Netzwerk. Damit die Bildschärfe nicht hinter der im großen Kino zurückbleibt, sollte der Videoplayer die volle HD-Auflösung unterstützen. Ab Seite 90 stellen wir HD-Player vor, die speichern, streamen und sogar online gehen können. Viele aktuelle Fernseher geben Filme von Festplatte auch direkt über ihren USB-Eingang wieder. Allerdings unterstützen nicht alle Fernseher alle Audio-, Video- und Container-Formate. Vor allem mit den unterschiedlichen Tonspuren und -formaten tun sich einige schwer. Die TV-Geräte von Samsung und LG und die aktuellen TVs von Toshiba und Philips sind hier recht robust: Sie geben über ihre eingebauten Medienplayer die meisten üblichen Formate wieder.

Manchmal liegt es aber gar nicht am Gerät, wenn die Wiedergabe scheitert – stattdessen sitzt die Fehlerquelle vor dem Fernseher. Auf den folgenden Seiten haben wir zur Unterstützung deshalb Tipps und Tricks für das perfekte Heimkino zusammengestellt.

Außer dem Weg zum Kino kann man sich auch den Gang in die Videothek sparen: Video on Demand direkt am Flachbildfernseher – oder alternativ über den angeschlossenen Videoplayer – ist das Gebot der Stunde. Die sogenannten Smart-TVs nehmen online Kontakt zu Maxdome & Co. auf. Solche Internet-fähigen Geräte findet man zwar nicht im Super-Niedrig-Preissegment – 500 Euro sind für einen 40-Zöller mindestens fällig, den intelligenten 46-Zöller gibt es ab etwa 750 Euro –, doch dafür ist ihre Bildqualität normalerweise tadellos [1, 2].

Der Videotext-Nachfolger Hybrid Broadcast Broadband TV – kurz HbbTV – ergänzt das Angebot am Internet-fähigen Fernseher um weitere Online-Inhalte. Ähnlich wie beim Videotext findet man hier programmbegleitende Informationen, diese sind aber wesentlich schöner aufbereitet: Statt Pixelgrafik gibt es sogar HD-Videos. Zugleich ist der mit der roten Taste auf der Fernbedienung aufrufbare Service Einstiegspunkt für die Online-Mediatheken der Sender, über die man beispielsweise verpasste TV-Sendungen anschauen kann. Leider unterstützen bislang nur wenige Fernseher das komplette HbbTV-Angebot – den jeweiligen Funktionsumfang sollte man deshalb vor dem TV-Kauf genau prüfen.

Auch ein perfekt ausgestatteter Fernseher kann im Heimkino zum Ärgernis werden, wenn er Farben unnatürlich wiedergibt. Kritisch sind vor allem Hautfarben, denn jeder Zuschauer hat eine recht genaue Vorstellung davon, wie Gesichter auszusehen haben. Meist verbessert sich die Wiedergabe bereits, wenn man den Bildmodus über das Menü des Fernsehers von Standard in „Film“ oder „Kino“ ändert. Noch natürlicher wird sie durch eine Kalibrierung, die allerdings ein Colorimeter und etwas Zeit voraussetzt [3].

Für die 3D-Fähigkeit eines Fernsehers muss man 200 bis 400 Euro Aufpreis einkalkulieren, je nach Hersteller und sonstiger Ausstattung. Das gilt auch für Heimkinoprojektoren, deren Einstiegspreise allerdings deutlich höher liegen. Dafür erzielen sie auch deutlich größere Bilder: Wer eine freie Wand im Wohnzimmer besitzt oder schaffen kann, dem sei unser Test von 3D-fähigen Heimkino-Beamern ab Seite 96 ans Herz gelegt.

FĂĽrs 3D-Heimkino sollte der Fernseher mindestens 40 Zoll messen, sonst kann man in die Tiefendarstellung nicht richtig eintauchen und das Display wirkt wie ein Puppentheater.

Projektoren fürs Heimkino nutzen üblicherweise die 3D-Shuttertechnik, große Kinos dagegen die Polfilter-Technik. Letztere erkennt man schnell an den leichten, passiven 3D-Brillen. 3D-Polfilterbrillen wie sie im Kino ausgeteilt werden, kann man seit Anfang 2011 auch für einige 3D-Fernseher nutzen. Beispielsweise für den Cinema 21:9 von Philips (c’t 21/11, S. 72): Dank seiner überbreiten Bildfläche taucht man vor ihm wunderbar in die 3D-Tiefen ab. Mit den preiswerten Polfilterbrillen wird das 3D-Erlebnis im heimischen Wohnzimmer familientauglich.

Für die 3D-Shuttertechnik sind kleine LCDs im Brillengestell erforderlich – also batteriebetriebene, aktive Brillen. Vorteil der Shutter-TVs: An ihnen sieht man auch im 3D-Betrieb die volle Bildauflösung. Nachteil: Durch die meist etwas schwereren Brillen flimmert das Umgebungslicht und zuweilen auch das Bild. Außerdem schlagen die aktiven Brillen mit 60 bis 100 Euro zu Buche – pro Familienmitglied; dem 3D-Fernseher liegen üblicherweise eine oder höchstens zwei Shutterbrillen bei. Samsung hat die 3D-Shuttertechnik kräftig gepusht, Sony und Sharp sind mitgezogen; Philips und Toshiba setzen sowohl Shutter als auch Polfilter ein.

Die Shutter-TVs neigten in der Vergangenheit zu unübersehbarem Übersprechen zwischen Stereobildern – vor allem an kontrastreichen Kanten sah man die störenden Doppelkonturen (Ghosting). Einzig die Plasmadisplays insbesondere von Panasonic waren von solchen Malaisen (nahezu) befreit, dafür wurde und wird ihr Bild im 3D-Betrieb arg dunkel. In den letzten Monaten konnten auch die LCD-Hersteller ihren Geräten das Ghosting weitgehend abgewöhnen. Auf den aktuellen 3D-LCD-TVs mit Shuttertechnik sieht man deshalb kaum noch Doppelkonturen, was den 3D-Eindruck im Heimkino entschieden verbessert hat.

[1] Jan-Keno Janssen, Ulrike Kuhlmann, Stefan Porteck, Kommunikationszentralen, Fernseher mit Internetanbindung, c’t 19/11, S. 90

[2] Jan-Keno Janssen, Ulrike Kuhlmann, Intelligente Schönheiten, Flachbildfernseher mit Netzwerk und Internetzugang, c’t 14/11, S. 116

[3] Jan-Keno Janssen, Stefan Porteck, Dem Farbkasper Manieren beibringen, Fernseher und Beamer für optimalen Filmgenuss einstellen, c’t 5/10, S. 176

Mehr Infos

Heimkino optimal

Artikel zum Thema "Heimkino optimal" finden Sie in c't 2/2012:

  • FAQ: Audio- und Videoformate - Seite 80
  • FAQ: Surround Sound - Seite 83
  • FAQ: 3D-Technik, Blu-rays, Brillen - Seite 86
  • HD- und 3D-fähige Viedeospieler - Seite 90
  • 3D-fähige Heimkino-Projektoren - Seite 96

(uk)