Siemens-Betriebsrat warnt vor Stellenverlagerungen ins Ausland

Der Gesamtbetriebsrat von Siemens befĂĽrchtet, dass der Technologiekonzern die Verlagerung von Stellen ins Ausland in den kommenden Jahren weiter vorantreibt.

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  • dpa

Der Gesamtbetriebsrat von Siemens befürchtet, dass der Technologiekonzern die Verlagerung von Stellen ins Ausland in den kommenden Jahren weiter vorantreibt. "Beschäftigte in Fertigung oder Entwicklung können sich ihrer Arbeitsplätze heute nicht mehr sicher sein — selbst wenn sie zu massiven Zugeständnissen bereit sind", sagte der Siemens-Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann der Süddeutschen Zeitung. Es sei mittlerweile auch bei höher qualifizierten Jobs ein "schleichender Prozess" zu beobachten, beispielsweise in der Software-Entwicklung.

Siemens sei dabei, Umsatz und Wertschöpfung international weiter anzupassen. In der Konsequenz könnte das in den nächsten Jahren einen umfangreichen Stellenabbau bedeuten. Die Verlagerungstendenz aus Deutschland halte an, sagte Heckmann. "Ich will nicht behaupten, wir hätten bei Siemens in zehn Jahren keine Softwareentwicklung mehr in Deutschland, das würde zu weit gehen", sagte Heckmann. Man müsse sich aber fragen lassen, in welchem Umfang sich solche Arbeiten in Deutschland halten ließen. "In einem knallharten Lohnkostenwettbewerb haben wir eher schlechte Karten."

Der Arbeitnehmervertreter warnte vor einer Spaltung von Betriebsräten und Gewerkschaften. Die Tarifautonomie müsse bei der Gewerkschaft bleiben. "Denn wenn einzelne Betriebsräte Großkonzernen in Verhandlungen ohne die Unterstützung von Gewerkschaften gegenüberstehen, werden wir ein großes Ungleichgewicht erleben", sagte Heckmann. Generell habe sich das Klima zwischen Konzernführung und Betriebsrat verschlechtert. "Siemens versucht, an der Konsenskultur zu rütteln. Der Verhandlungsstil mit den Arbeitnehmervertretern ist sehr viel rauer geworden." Bei der Einführung der 40-Stunden-Woche am Handy-Standort Kamp-Lintfort habe der Konzern den Betriebsrat "regelrecht erpresst", sagte Heckmann. (dpa) / (jk)