Naturkatastrophen torpedieren Komponentengeschäft
Nach einem guten Start versinkt der Speichermarkt im Preisverfall. Im Festplattensegment bewahrt der Eurokurs den Handel zunächst vor einem allzu hohen Wertverlust und gegen Ende des Jahres vor einer deutlichen Preissteigerung. SSDs erfreuen sich einer durchgehend hohen Nachfrage.
Verheißungsvolle Prognosen begleiteten Komponentenhändler ins Jahr 2010. Nachdem das Vorjahr besser ausfiel als erwartet, rechnete vor allem die Distribution mit einem anhaltenden Wachstum. Insgesamt wurde der Markt nicht enttäuscht. Der Absatz verläuft – speziell im vierten Quartal – produktübergreifend sehr gut.
Speicher: Höhen und Tiefen mit DDR3 als neuen Standard
Die HEKs für Speichermodule befinden sich zum Jahresende im Sinkflug. Ein DDR3-1333-Modul mit zwei GByte von Kingston ist in der KW 52 ab zirka 17,76 Euro erhältlich. Gegenüber der KW 47 Ende November bedeutet dies einen Preisverfall von 15 Prozent. Zu Beginn des zweiten Halbjahres mussten Reseller in der KW 27 für diesen Speichertyp noch 39,51 Euro bezahlen. Der Baustein kostet im Januar rund 40 Euro und hat seine Spitze etwa im April mit knapp 50 Euro.
Die HEKs fĂĽr DDR2-RAMs sind nach einigen Hochs zur Jahresmitte im Dezember wieder bei den Januarkursen angekommen. DDR3-Speicher sind dagegen erdrutschartig gĂĽnstiger geworden.
DDR3 beginnt 2010 mit deutlichen Preisaufschlägen. Die Nachfrage steigt im ersten Quartal spürbar, doch bis dato entfallen aber erst 20 bis 30 Prozent des Marktes auf DDR3. Umsatzträger Nummer eins sind DDR2-Module, die mit moderaten Preisabschlägen das Jahr beginnen. Zu Ostern legt das Segment eine kurze Verschnaufpause ein, um dann aber direkt mit Lieferschwierigkeiten neue Höchstpreise zu erzielen.
Nachdem der Trend wochenlang ausschließlich nach oben ging, folgt im Mai die Wende. Zwischen der KW 17 und KW 21 fallen die Preise für DDR2-RAMs um bis zu 15 Prozent. DDR3-Speicher befinden sich dagegen noch auf dem Weg nach oben. Zwar trotzen die Absatzzahlen dem Sommerloch, trotzdem sinken die HEKs. DDR3-Bausteine gleichen sich immer mehr den DDR2-Preisen an. Spätestens Mitte des dritten Quartals war klar, die Branche hockt mal wieder auf vollen Lagern. Das Resultat: Preisverfall. Während 2-GByte-Module in der DDR3-1333-Version gegenüber Januar um über 65 Prozent an Wert verlieren, kommen DDR2-800-Bausteine mit einem Abschlag von "nur" neun Prozent durchs Jahr. Wobei die Tiefstände bei über minus 30 Prozent lagen.
Festplatten: Allokation zum Jahresende
Zum Jahresende steigt im Festplattenmarkt die Gefahr einer Allokation. Seit Anfang November haben sich die HEKs für 750-GByte- und 1,5-TByte-Laufwerke um bis zu 17 Prozent verteuert. Nach unten geht es zur Zeit nur bei den eigentlich ebenfalls knappen 2-TByte-Drives, die Reseller zuletzt wieder für unter 90 Euro einkaufen können. Im Januar waren dafür noch zirka 110 Euro fällig.
Festplatten ab einem TByte sind zwar knapp, im JahresrĂĽckblick bewahrte die mitunter schlechte VerfĂĽgbarkeit jedoch nicht vor einem Preisverfall von bis zu 32 Prozent.
Über das Jahr gesehen verzeichnen 1-TByte-Platten die höchsten Abschläge. Lag der HEK im Januar bei rund 60 Euro, kaufen Händler momentan für etwas über 40 Euro. Der Harddisk-Markt kam gut ins Jahr, im zweiten Quartal ging die Nachfrage allerdings kontinuierlich zurück. Günstiger einkaufen konnten Reseller allerdings nicht, dies verhinderte der niedrige Eurokurs. Das Segment schleppt sich durch den Sommer. Erst Ende des dritten Quartals steigt die Nachfrage wieder an. Gleichzeitig verschlechtert sich die Verfügbarkeit bei High-Capacity-Laufwerken, doch auch zum Jahresende hilft der – diesmal wiedererstarkte – Eurokurs dem Handel und hält die Preise einigermaßen stabil.
Über den Jahreswechsel hinweg sollte es zu keinen nennenswerten Spitzen kommen. 2011 dürfte sich die Allokation bei Drives ab einem TByte zunächst fortsetzen.
SSD: Shooting-Star 2010
SSDs galten bereits 2009 als Shooting-Star im Komponenten-Business. 2010 knüpfen die Flash-Laufwerke nahtlos an diesen Erfolg an. Im Vergleich zu Festplatten gelten SSDs nach wie vor als Nischenprodukt. Den Markt für Power-User haben sie dieses Jahr jedenfalls im Sturm genommen. Im ersten Halbjahr versuchten Hersteller wie Kingston und Intel noch 30- und 40-GByte-Produkte als Boot-Drive zu vermarkten. Mittlerweile gilt diese Größe aber als Auslaufmodell. Tests der c't-Redaktion (siehe Ausgabe 17/2010, Seite 139) hatten die Argumentation der Hersteller zudem wiederlegt. Aus Performance-Sicht soll eine SSD nicht ganz vollgeschrieben werden. Mit einer Windows-7-Installation plus Office und einigen zusätzlichen Anwendungen kommen schnell knapp 20 GByte zusammen.
Bei Einstiegsgrößen wie zum Beispiel 80-GByte-SSDs zeigt sich ein deutlicher Preisverfall. Höhere Kapazitäten kommen dagegen relativ stabil durchs Jahr.
Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:
Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom GmbH
Ingram Micro GmbH
Aus Preis-Leistungssicht konzentrierten sich die Anwender auf 64 bis 80 GByte. Das Geschäft tendiert aber zunehmend in Richtung größerer Kapazitäten. Der HEK für 128-GByte-SSDs beginnt bei knapp 170 Euro, liegt bei aktuellen Modellen im Schnitt aber noch bei 210 Euro und höher. Seit Januar sind die HEKs für diese Kapazitätsgröße um 15 bis 20 Prozent gesunken. Kingston versucht mit einem neuen 96-GByte-Laufwerk (SSDnow V+100) dem Markt eine günstigere Alternative zu bieten. Der HEK dafür, beträgt momentan zirka 153 Euro. Intels neue X25-V mit 120 GByte beginnt bei 166 Euro.
Momentan steigen die HEKs wieder. Ein Teil ist dem Dollarkurs geschuldet, aber Aufschläge von bis zu acht Prozent im Monatsrückblick gehen auch auf die mitunter schlechte Liefersituation. Aktuell kann der Handel bei SSDs zum Jahreswechsel mit einem stabilen Preisgefüge rechnen. (gs)