Make Faire: Harte Ware kunstvoll zweckdienlich gemacht
In einem Zeitalter, in dem es eigentlich immer weniger zu basteln gibt, steckt im Credo von "Make" auch eine politische Botschaft: Wenn die Geräte nicht das tun, was man will, dann bastelt man sich die Maschine, die dem Anwender gehorcht.
Die erste Euro-OSCON des Verlages O'Reilly öffnete sich einen Abend lang den Bastlern und Tüftlern für die erste europäische Make Faire. Das Treffen der Macher ist dem Umstand geschuldet, dass im Verlag O'Reilly die Zeitschrift Make erscheint. Make, seine Macher und seine Blogger sind angetreten, die uralte Wahrheit von Daniel Düsentrieb zu beweisen, nach denen dem Ingenör nichts zu schwör ist. In einem Zeitalter, in dem Mechanik durch hochkomplexe Chips abgelöst wird und es eigentlich immer weniger zu basteln gibt, steckt im Credo von Make auch eine politische Botschaft: Wenn etwa Abspielgeräte nicht das abspielen, was man hören will, dann bastelt man sich die Maschine, die dem Anwender gehorcht.
Mit 15 Exponaten fiel die 1. europäische Make Faire noch etwas klein aus, bewies aber gleich, dass Maker zu gleichen Teilen männlich wie weiblich sind. Auch wenn bei den clevere Hardware-Hacks der Makerinnen modische Dinge gefragt waren, etwa ein im Rucksack eingebauter dreifarbiger WLAN-Detektor oder eine im Innern blauschimmernde, von Solarkollektoren gespeiste Handtasche, widerlegte die Messe das Vorurteil vom blassen Bastler, bei dem nur der Lötkolben glüht. Dies muss darum erwähnt werden, weil kurz vor dieser Bastelshow auf der Euro OSCON das interessante Thema Women in the Open Source mit einer Podiumsdiskussion glatt verschenkt wurde: Überwiegend meldeten sich Männer, die darüber fantasierten, dass Frauen doch irgendwie anders tickten und daher anders programmierten.
Die Maker Faire demonstrierte, dass nicht alle Projekte niedliche Gadgets oder geekige Hacks sein müssen. So zeigte der in der Schweiz lebende Brasilianer Fernando Botelho Ausrüstung und Software, mit der ein Braille-Terminal für weniger als 200 Dollar und damit weit unter den Preisen der marktbeherrschenden Anbieter von Behindertentechnik gebaut werden kann. Für Bortelho fällt der Spaß an der Technik mit der Notwendigkeit zusammen, Technik möglichst billig zu halten, damit die sonst Ausgeschlossenen dabei sein können. (Detlef Borchers) / (jk)