Ein Bildschirm, viele Perspektiven

Eine neuartige Display-Technik erlaubt es mehreren Personen, gleichzeitig mit einem Bildschirm zu interagieren und dabei jeweils ihr eigenes Bild zu erhalten.

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  • Kentucky FC

Eine neuartige Display-Technik erlaubt es mehreren Personen, gleichzeitig mit einem Bildschirm zu interagieren und dabei jeweils ihr eigenes Bild zu erhalten.

Forscher an der McMaster University im kanadischen Hamilton arbeiten an einem neuartigen Computerdisplay, das mehr als nur eine einzelne Bilddarstellung für alle Umstehenden erlaubt. „Temporal Psychovisual Modulation“ nennen die Wissenschaftler Xiaolin Wu und Guangtao Zhai ihr Verfahren. Dabei müssen die Teilnehmer LCD-Brillen tragen, die jeweils auf eine bestimmte Bildwechselfrequenz eingestellt sind.

Möglich macht die Technik der Fortschritt bei modernen Displays: Bessere Geräte können mittlerweile 240 Bilder pro Sekunde darstellen. Ähnlich schnell schalten inzwischen auch LCD-Brillen. Das menschliche Sehvermögen kann dagegen nur Bilder mit einer Wiederholrate von maximal 60 Hz verarbeiten.

Damit wird die gleichzeitige Darstellung mehrerer Videoströme möglich. Mit einem Beispiel aus der Medizintechnik zeigen Wu und Zhai, wie das funktionieren kann: Dabei werden vier Aufnahmen des menschlichen Körpers gleichzeitig über das Display geschickt. Eines der Videos zeigt den menschlichen Körper von außen, eines das Gefäßsystem, eines die inneren Organe und eines den Skelettaufbau.

Dabei können die Nutzer zwischen verschiedenen Überblendungsarten wählen oder sich sogar verschiedene Blickwinkel präsentieren lassen. Auch ein Headtracking ist denkbar, um die Perspektive zu verändern. Der große Vorteil der Technik ist aber, dass alle Zuseher einen einzelnen Bildschirm betrachten können, um das Gesehene zu diskutieren. Die Umschaltung der verschiedenen Videoströme erfolgt an der Brille.

Xu und Zhai sparen mit dem Verfahren sogar Rechenleistung. Statt Bilder stets neu zu berechnen, können vorgefertigte Videoströme für verschiedene Perspektiven fertig berechnet werden. Die LCD-Brille muss dann nur noch mit dem spezifischen Videostrom synchronisiert werden, den der Nutzer entweder auswählen kann oder der über Headtracking selektiert wird.

Neben dem Medizinbereich, wo ein solches System etwa in der Chirurgie eingesetzt werden könnte, denken die McMaster-Forscher auch an Anwendungen im bei Spielen oder im Tourismus - dort könnten Menschen dann auf virtuelle Entdeckungstouren gehen, bevor sie eine Reise antreten.

Wu und Zhai haben außerdem Ideen für den Sicherheitsbereich entwickelt. Dabei könnte ein verschlüsseltes Signal innerhalb mehrerer Videoströme versteckt werden, das sich nur mit LCD-Gläsern entschlüsseln lässt, die die passende Synchronisation besitzen. Alle anderen Personen sähen Rauschen oder ein Ablenkungsvideo. Selbst an den Einsatz am Geldautomaten denken die Forscher: Hier wäre ein Touchscreen nur dann sichtbar, wenn kompakte Gläser getragen werden. So kann niemand mehr sehen, welche Zahlen man eingibt. (bsc)