Siemens kündigt Sparprogramm für Handysparte an [Update]
Der Siemens-Konzern will seine Handysparte mit einem drastischen Sparprogramm sanieren; mit einer neuen Modell-Generation will der Konzern auch die Basis für eine einheitliche Linux-basierte Handy-Software legen.
Der Siemens-Konzern will seine Handysparte mit einem drastischen Sparprogramm sanieren. Die Kosten sollten rasch um einen dreistelligen Millionenbetrag gedrückt werden, kündigte Siemens laut dpa an. "Wir verlieren Geld im Handygeschäft", sagte der Chef der Kommunikationssparte, Lothar Pauly. Daher sollten die Kosten rasch um nochmals 400 Millionen Euro gedrückt werden. Ursprünglich seien bereits Einsparungen von 500 bis 600 Millionen Euro geplant gewesen, nun könnte es insgesamt eine Milliarde Euro werden. Mit einer Produktoffensive will Siemens verlorenen Boden zurückerobern; unter anderem soll auch mit neuen Handys die Nutzung einer einheitlichen Software-Plattform auf Linux-Basis vorbereitet werden.
Noch aber ist nicht entschieden, ob der Konzern am verlustreichen Handygeschäft festhält. Es seien weiterhin mehrere Optionen offen. Siemens schließt bisher weder einen Verkauf noch eine Schließung aus. Für einen möglichen Verkauf oder eine Kooperation müsse Siemens erst einmal den passenden Partner finden, sagte Pauly. Eine Schließung sei am wenigstens erwünscht, da dabei Werte vernichtet würden.
Wie viele Arbeitsplätze dem Sparkurs zum Opfer fallen könnten, ließ Siemens offen. Der Schwerpunkt liege aber nicht beim Stellenabbau. Stattdessen sollten zum Beispiel die Marketingausgaben reduziert werden. Neben den Einsparungen will Siemens auch mit neuen Produkten Boden gut machen. Auf der CeBIT werde der Konzern fünf neue Geräte präsentieren, sagte Pauly. Insgesamt sollen in diesem Jahr 15 Modelle auf den Markt kommen.
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2004/05 (30. September) hatte Siemens mit Handys einen erneuten Verlust von 143 Millionen Euro gemacht. Nach jüngsten Zahlen der Marktforscher von Gartner fiel die Siemens-Handysparte im internationalen Vergleich weiter zurück: Im Gesamtjahr 2004 von 8,4 auf 7,2 Prozent Marktanteil und im Schlussquartal von 9,5 auf 6,4 Prozent. Auf das Gesamtjahr bezogen hielt Siemens damit zwar noch den vierten Rang in der Branche, im vierten Quartal wurden die Deutschen jedoch von der südkoreanischen LG Electronics überholt. (jk)