"Best of the Blogs": Von Podcasts und dem Kampf um Meinungsfreiheit

Die Deutsche Welle lässt User den besten Blog wählen und vergibt in Zusammenarbeit mit Reporter ohne Grenzen auch erneut Awards für Blogs, die sich um die Meinungsfreiheit verdient gemacht haben.

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Von
  • Monika Ermert

Im Rahmen des "Best of the Blog"-Award lädt die Deutsche Welle gemeinsam mit Partnern auch dieses Jahr Netizens in aller Welt ein, ihre Spitzenreiter zu wählen. Noch bis zum 20. November können Nutzer die ihrer Meinung nach besten Blogs in 13 Kategorien wählen. Neun Kategorien sind journalistischen Blogs in Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Persisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch gewidmet. Bei den nominierten deutschen Blogs dominieren die eher persönlich gehaltenen, klassischen Web-Tagebücher. Parallel zur Wahl durch die Nutzer werden die Finalisten von einer Jury begutachtet. Weitere Awards werden in den vier Kategorien bester Weblog, bester Multimedia-Blog und erstmals – ganz im Trend – die beste Podcasting-Seite vergeben. Französisch und Persisch sind in der Kategorie journalistische Blogs neu vertreten.

In Zusammenarbeit mit Reporter ohne Grenzen wird erneut ein Awards für Blogs vergeben, die sich um die Meinungsfreiheit verdient gemacht haben. Im vergangenen Jahr hatten RoG und die Deutsche Welle beim Freedom Blogs Award zusammengearbeitet. In diesem Jahr kommen die Finalisten aus dem Iran, Ägypten, Kolumbien, Äthiopien, China und Tunesien.

Auf der Seite des chinesischen Juristen Wang Yi, der sowohl für den RoG-Sonderpreis als auch in der Kategorie "Bester Blog" nominiert ist, bekommt man seit kurzer Zeit allerdings nur noch zu lesen: "Entschuldigung, dieser Blog kann derzeit nicht publizieren." Die China-Redaktion der deutschen Welle forscht derzeit nach, ob der Stop von den Behörden in China veranlasst wurde. "Es ist immer ein Dilemma, kritische Blogs zu nominieren und damit für noch mehr Aufmerksamkeit für sie zu sorgen", sagte eine chinesische Mitarbeiterin der Deutschen Welle. Vor einer Nominierung werde daher auf jeden Fall mit den Betreffenden gesprochen. Wang Yis Engagement gelte besonders einer unabhängigen Justiz in China, seine Kritik sei weniger gut verpackt als etwa beim ebenfalls aus China kommenden Sieger des Vorjahres, der Hundezeitung.

Eine unabhängige Justiz ist auch die Forderung des ehemaligen tunesischen Richters Mohktar Yahyaoui, dessen Blog schon vor seiner Nominierung in der RoG-Kategorie manipuliert wurde. Yahyaoui ist der Onkel des verstorbenen tunesischen Regimekritikers Zouhair Yahyaoui, des ersten Cyberfreedom-Preis-Gewinners, der für die Veröffentlichung einer kritischen Stellungnahme seines Onkels gegenüber Präsident Ben Ali eine zweijährige Gefängnisstrafe erhielt. Auch in diesem Brief ging es um die Unabhängigkeit der Justiz und dafür ist Mohktar Yahyaoui derzeit im Hungerstreik.

Wie bei Wang Yis Seite ist ein Zugriff über Googles Cache noch möglich, mit Einschränkungen. Mit Blick auf den bevorstehenden Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) kann die Blockade von Yahyaouis Seite und der andauernde Hungerstreik es auf die Agenda der internationalen Diplomatie schaffen. Zumindest hoffen darauf sowohl die Blog-Award-Organisatoren als auch die Opposition in Tunis. (Monika Ermert) / (jk)