Unternehmensberatung fordert Impulse für den Breitband-Markt

Deutschland laufe Gefahr, ein wichtiges volkswirtschaftliches Wachstumspotenzial zu verschenken, meint die Unternehmensberatung Mercer Management Consulting. Sie meint unter anderem, das Interesse der Nutzer an hohen Bandbreiten sei derzeit zu gering.

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Die Zahl der Breitband-Nutzer stieg in Deutschland im ersten Halbjahr 2005 um weitere 16 Prozent auf acht Millionen. Das entspricht einer Breitband-Durchdringung von nunmehr rund 21 Prozent, geht aus Zahlen der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting (MMC) hervor. "Dies kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland in puncto Breitband im internationalen Vergleich noch immer weit hinterherhinkt und Gefahr läuft, ein signifikantes volkswirtschaftliches Wachstumspotenzial zu verschenken", meint Alexander Mogg, Medienexperte bei MMC. Die Unternehmensberatung hat nun ihre Studie "Breitbandzukunft in Deutschland" vorgelegt.

In der Studie heißt es, mit dem DSL-Resale-Angebot der Telekom sei seit Juli 2004 Bewegung in den Markt gekommen. "Mit 1&1, Freenet und Arcor auf überregionaler Ebene und regionalen Anbietern wie HanseNet oder Versatel ist ein aggressiver Wettbewerb entstanden, der die Vermarktung höherer Bandbreiten auf bis zu 6 MBit/Sekunde angetrieben und einen harten Preiskampf bei Flatrate-Tarifen sowie Anschlussgebühren ausgelöst hat." Die Preise seien teilweise mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Allerdings werde Deutschland erst im Jahr 2010 eine Marktdurchdringung von 44 Prozent aufweisen und damit auf den westeuropäischen Durchschnitt aufgeholt haben, so die Mercer-Prognose.

Spätestens in drei Jahren sei aber das heutige Access-Geschäftsmodell als Wachstumsmotor ausgereizt. Auch schrumpften bei anhaltendem Preisdruck und weiteren Investitionen in immer höhere Bandbreiten die Erträge. Weiter sei das Interesse der Kunden an hohen Bandbreiten noch gering. Für ihre Ansprüche reiche eine Bandbreite von 1 MBit/s aus. Gerade zwei Prozent der DSL-Kunden nutzen derzeit 3 oder 6 MBit/s. Im Jahr 2010 sollen es 13 Prozent sein.

"Damit befinden sich die Breitbandanbieter in einem Dilemma", meint Mogg. "Hohe Bandbreiten sind die Voraussetzung für attraktive neue Inhalte, Dienste und Anwendungen, die dem Kunden eine neue TV- oder PC-Erlebniswelt eröffnen. Außer bei TV/Video zeichnen sich derzeit allerdings keine neuen breitbandigen Dienste ab, die den Netzbetreibern, Medienhäusern, Internetprovidern und Contentanbietern zusätzliche Erlösquellen bescheren."

Die Unternehmensberater folgern in ihrer Studie, die Vielfalt an konkurrierenden Standards bei Netzen, Diensten und Endgeräten verhindere den breiten Einstieg des Verbrauchers. Für diese stellten Anfangsinvestitionen in Infrastruktur und Endgeräte die größte Einstiegshürde dar. Weiter sollten laut Studie Medienbrüche beseitigt werden. Über attraktive Pay-TV-Angebote sollten Anreize geschaffen werden, um eine "kontrollierte Migration des TV-Konsumenten aus der Gratis- in die Bezahlkultur zu gewährleisten". Auch seien "neue, attraktive Dienste über das Fernsehen hinaus" erforderlich. (anw)