Digitales BR-Jugendradio vorerst auf Eis gelegt
Um das vom BR geplante digitale Radio gab es wegen Befürchtungen, die beliebte und ambitionierte Jugendsendung "Zündfunk" werde eingestellt, einigen Trubel. Nun muss der BR wegen Problemen mit den Funkfrequenzen vorerst einen Rückzieher machen.
Das digitale Jugendradio des Bayerischen Rundfunk (BR) ist wegen Problemen mit der Funkfrequenz erst einmal auf Eis gelegt. Der für den 1. Januar 2007 geplante Start der Jugendwelle sei kaum einzuhalten, sagte BR-Sprecher Rudi Küffner gegenüber dpa und bestätigte damit einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Danach sollte die Jugendwelle im digitalen Funknetz über einen Kanal senden, der direkt neben einem Kanal der Bundeswehr zur Überwachungen des Flugverkehrs liegt. Das Bundesverteidigungsministerium befürchte nun Störungen des Datenflusses.
Dem BR soll daher nur eine begrenzte Sendeleistung von einem Kilowatt erlaubt werden, heißt es in dem Zeitungsbericht. Zum ausreichenden Empfang in Häusern seien aber zehn Kilowatt erforderlich. Die Staatsregierung soll nun Gespräche mit dem Verteidigungsministerium aufnehmen. "Wir hoffen, dass wir bis zum Herbst eine Lösung bekommen", sagte Küffner.
Das erste Multimedia-Radio für junge Leute in Deutschland sollte ein Publikum bis 30 Jahre ansprechen. Geplant war ein Programm mit aktueller Popmusik mit Einflüssen aus Rock, Black und Elektronik. Um das geplante Digital-Radio hatte es bereits einige Aufregung gegeben: Es gab Befürchtungen, die populäre Jugendsendung "Zündfunk" werde möglicherweise eingestellt. Bei der Vorstellung des digitalen Jugendradios hieß es dagegen beim BR, die Hörer von Bayern2Radio würden auch nach einem Start der "Jungen Welle" nicht auf ein breites Angebot aus dem Bereich der "Popkultur" verzichten müssen. Der Teil der journalistischen und musikalischen Kompetenz des "Zündfunks", der ein Publikum jenseits der 30 erreiche, soll wie bisher ein Bestandteil des Programms Bayern2Radio bleiben, hieß es. Der Bestand des "Zündfunks" sei weder vom BR noch vom Rundfunkrat infrage gestellt worden.
Um die Zukunft des populären "Zündfunks", der vor allem für seine Sendungen bekannt wurde, die pop-kulturelle und jugendpolitische Entwicklungen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückten, gibt es seit einiger Zeit heftige Auseinandersetzungen. Befürchtet wurde vor allem die Abschiebung ins digitale Niemandsland – als Sendung, die nur noch über das kaum verbreitete digitale Radio DAB zu empfangen wäre, hätte sie besonders unter der jugendlichen Zielgruppe kaum noch Hörer.
Gegen die Pläne des BR hatten Musiker ebenso wie Hörer mobil gemacht. Mit den nun vorgestellten Plänen der Radiostation dürften die Befürchtungen allerdings noch lange nicht aus der Welt geschafft sein. Die Zukunft von DAB ist beispielsweise unter den Landesmedienanstalten umstritten; und ob es absehbar auch für Jugendliche bezahlbare Empfangsgeräte geben wird, ist trotz der Pläne des BR zum Ausbau des Inhaltsangebots für DAB auch zum jetzigen Zeitpunkt keineswegs gesichert. Das vorläufige Aus für die Digitalradio-Pläne des BR dürften der Verbreitung von DAB-Empfangsgeräten und damit möglichen Preisredezierungen ebenfalls nicht gerade zuträglich sein.
Siehe dazu in Telepolis:
- Bayern macht dicht, Zündfunk – Gerüchte um eine Hinrichtung
- Privatradio schiebt Panik vor öffentlich-rechtlicher Jugendwelle, Kommt nach Jump, N-Joy, Eins-Live, Fritz, Sputnik und diversen "Dingern" nun auch noch "Das Modul"?
- Eine Kiste DAB zum Tragen – und das absolut rauschfrei, Digital Radio mit drahtloser MP2-Übertragung existiert seit 1995, inzwischen gibt es auch attraktive Hardware
- Plattgefahren: Nullen und Einsen auf der Straße, Digitalradio im Auto: Vielversprechend, doch schwer zu bekommen