Vermittlungsknoten für Voice-over-IP am Amsterdamer Internet Exchange

Die Zusammenschaltung von VoIP-Daten ist aus Sicht der Anbieter von Internet-Telefonie dringend notwendig, um unnötige Kosten durch den Umweg übers normale Telefonnetz zu vermeiden.

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Von
  • Monika Ermert

Das US-Registry-Unternehmen Neustar startet eine SIP-Peering-Plattform am Amsterdamer Internet Exchange Point (AMS-IX). Das Unternehmen hatte Anfang der Woche ein vergleichbares Projekt für Voice-over-IP-Vermittlungsknoten mit dem US-amerikanischen Internet-Peering Unternehmen Equinix angekündigt.

Cara Mancini, Marketing und Business Development Manager beim AMS-IX, sagte, man sei ein neutraler Partner. Neustar werde anders als bei den US-Projekten selbst als Anbieter auftreten und über die Preise entscheiden. "Neustar macht dieses Angebot als AMX-IX-Mitglied für unsere anderen Mitglieder. Es könnten jederzeit auch andere Mitglieder ähnliche Dienste hier anbieten. Allerdings ist dies die erste größere Initiative dieser Art." Geplanter Start in Amsterdam ist das erste Quartal 2006. Mit anderen Internet-Knoten sei Neustar offenbar ebenfalls in Gesprächen.

Der Neustar-SIP-IX basiert laut dem Unternehmen auf mehreren Komponenten: einem Adressverzeichnis für SIP (Session Initiation Protocol für Voice-over-IP) und ENUM (Telefonnummern-Mapping auf Internet-Adressen), um Verbindungen zwischen den Providern zu routen; dazu kommen ein Modell zu Absicherung der VoIP-Zusammenschaltung gegenüber Attacken aus dem Netz und Unterstützung bei der Zusammenschaltung unterschiedlicher Netzarchitekturen der verschiedenen Teilnehmer. Neustar geht damit weiter auf dem Weg ins IP-Geschäft, ursprüngliches Kerngeschäft war die Registry für den nordamerikanischen US-Nummernplan, inzwischen ist man auch als Registry für Domains aktiv und engagiert sich bei ENUM, der Eintragung von Telefonnummern als Domains.

Die Zusammenschaltung von VoIP-Daten ist aus Sicht der Anbieter von Internet-Telefonie dringend notwendig, um unnötige Kosten durch den Umweg übers normale Telefonnetz zu vermeiden. Da nach wie vor zentrale Adressverzeichnisse für VoIP-Gespräche fehlen – ENUM-Verzeichnisse sind in vielen Ländern noch immer im Versuchsstadium – gibt es eine wachsende Anzahl verschiedener privater Peering-Plattformen beziehungsweise privater Peerings zwischen einzelnen Carriern. Neustar und Equinix haben angekündigt, dass sie beim geplanten SIP-Exchange beide Varianten unterstützen wollen: die "Walled-Garden"-Lösung mit maximaler Sicherheit für zwei zusammengschaltete Partner und die "offene Internet-Lösung".

Das Angebot, das neben Equinix und AMS-IX auch noch bei der US-amerikanischen Telehouse vorbereitet werden soll, bietet mit einem Schlag über 600 Netzbetreibern die Chance zum SIP-Peering. Es dürfte einen beträchtlichen Schub für das so genannte Carrier-ENUM bringen, das VoIP-Angebote auch ohne die Eintragung persönlicher ENUM-Domains durch die Endnutzer ermöglichen soll. Wie viel Interesse für das Thema VoIP-Peering besteht, zeigt auch der praktisch gleichzeitig vom US-Unternehmen FiberNet angekündigte Start von "Phonomenum", einer ebenfalls ENUM-basierten Plattform fürs VoIP-Peering. Auch FiberNet kann laut eigenen Angaben über 600 Provider zusammenschalten.

Ob am Ende bei all der Marktbewegung für die noch in den Geburtswehen befindliche Arbeitsgruppe VoIP-Peering der Internet Engineering Task Force (IETF) noch etwas zu tun bleibt, steht in den Sternen. Die Arbeitsgruppe will bis zum kommenden März einen Internet Draft zur Routing-Architektur für SIP vorlegen. (Monika Ermert) / (jk)