Bieterkampf um neue Städte- und Länder-TLDs

Mit dem Start des Bewerbungsverfahrens für neue Top Level Domains müssen Städte und Länder sich jetzt rasch für den Betreiber "ihrer" geografischen Domain entscheiden

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  • Monika Ermert

Mit dem Start des Bewerbungsverfahrens für neue Top Level Domains müssen Städte und Länder sich jetzt rasch für den Betreiber "ihrer" geografischen Domain entscheiden. Die Stadt Köln und das Land Bayern haben ihre Auswahlverfahren vergangene Woche bereits abgeschlossen und Verträge mit dem Stadtnetzbetreiber NetCologne beziehungsweise der BayernConnect, einem Ableger der an der Londoner Börse notierten Top Level Domain Holdings (TLDH), unterzeichnet. In Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen mahlen die Mühlen noch. Auf Druck von Regierungen hatte die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) Unterstützungserklärungen durch die jeweils zuständigen Behörden zur Bedingung für die Vergabe von geografischen Domains wie .bayern oder .koeln gemacht.

Köln und Bayern haben die Vorgaben der ICANN genutzt, um Einfluss auf die Bewerbungen zu nehmen und sich selbst einen finanziellen Anteil an den Domainvergaben zu sichern. Zur Höhe der Beteiligung schweigen sich die Verwaltungen vorerst jedoch aus. Viel dürfte für die öffentliche Hand kaum herausspringen. Insbesondere an .bayern wollen ja gleich mehrere verbundene Unternehmen, vom Registry-Betreiber Minds + Machines bis zum Finanzinvestor TLDH mitverdienen.

Man habe den Betreiber "vertraglich verpflichtet, die marktüblichen Preise nicht zu überschreiten", erklärte überdies das bayerische Finanzministerium. Bei hierzulande "marktüblichen" de-Domain-Preisen von rund 1 Euro pro Jahr würde die Luft da sehr dünn. Ob BayernConnect zu den aktuell rund 10-mal so teuren com-Preise anbieten kann, bleibt abzuwarten.

Ein Beirat, der aus Vertretern des Freistaats Bayern und vom Freistaat benannten Vertretern der gesellschaftlich relevanten Nutzergruppen besteht, überwache die geforderte Preispolitik und binde den "Freistaat in alle wesentlichen, die Verwaltung und den Betrieb der Domain betreffenden Fragestellungen und Entscheidungen ein", teilte das bayrische Finanzministerium mit. Auch die Stadt Köln plant ein solches Gremium. Der Berliner Geschäftsführer der BayernConnect, Caspar von Veltheim, sagte im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk, der Freistaat bleibe "oberste Entscheidungsinstanz für die Zuteilung von .bayern-Subdomänen".

In Berlin könnte der Senat nach dem Ende der Bieterfrist ähnlichen Problemen stehen. Auch hier tritt TLDH respektive Minds + Machines gegen die seit langem aktive dotBerlin GmbH an. Wie viele Bewerber in den verschiedenen Städten und Regionen insgesamt ins Rennen um die Verträge mit den Verwaltungen gehen, geben diese übrigens nicht preis. Finanziell hat man sich, jedenfalls in Berlin, dahin gehend abgesichert, dass der Bewerber die Kosten des Auswahlverfahrens zu übernehmen hat, bis zu 30.000 Euro schlagen dabei zu Buche.

Noch bis Mitte März haben die Verwaltungen Zeit, ihre Entscheidungen zu treffen. Spätestens bis zum 29. März müssen Bewerber sich online registriert haben, um die Bewerbungsfrist 12. April einhalten zu können. Niemand weiß, wie schnell die ICANN ein neues Bewerbungsfenster öffnen wird, Experten rechnen allerdings damit, dass es mehrere Jahre dauert, all die neuen TLD-Bewerbungen abzuarbeiten. TLDH/Minds + Machines haben zur Sicherheit schon in der ersten Woche 20 Bewerbungen bei der ICANN angemeldet. (hob)