Investor soll Überlebensfähigkeit von InVDeo sichern
Generelle Umsatzprobleme in der Online-DVD-Verleih-Branche sowie der Rechtsstreit mit dem Konkurrenten DiViDi haben nach Angaben von inVDeo-Geschäftsführer Dirk Sommer zur finanziellen Schieflage des Unternehmens geführt.
Die Konstanzer inVDeo GmbH, eine der führenden Online-Videotheken Deutschlands, hofft auf einen Investor, der das angeschlagene Unternehmen aus der wirtschaftlichen Schieflage führt. Anfang März hatte inVDeo beim Konstanzer Amtsgericht einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Nach Angaben von Geschäftsführer Dirk Sommer gibt es derzeit zwar keinen heißen Kandidaten, Verhandlungen über einen Einstieg potenzieller Investoren würden aber auch nach dem Insolvenzantrag, den Sommer gegenüber heise online als "reine Vorsichtsmaßnahme" bezeichnete, geführt. Sommer nannte im Wesentlichen zwei Gründe, die zu den finanziellen Schwierigkeiten von inVDeo geführt hätten: Zum einen, so Sommer, kämpfe die gesamte Branche derzeit mit Umsatzproblemen. "Das Kundenwachstum geht einfach nicht schnell genug, um profitabel arbeiten zu können." Nach Sommers Angaben haben nahezu alle Online-Videotheken finanzielle Sorgen und sind auf der Suche nach Investoren.
Eine Ausnahme stelle lediglich die Hamburger Amango GmbH dar, die seit dem Einstieg von Burda Digital Ventures im vergangenen Jahr finanziell aus dem Schneider sei. Medienberichten zufolge soll sich das Burda-Engagement auf 7 Millionen Euro in bar sowie weitere 7 Millionen Euro in Medienleistungen belaufen. Auch mit inVDeo hatte es laut Sommer Verhandlungen über eine Beteiligung Burdas gegeben, diese seien später aber wegen einer generellen "Absage an den Markt" Burdas gescheitert. Diese Begründung hält Sommer heute allerdings für nur vorgeschoben, schließlich habe Burda Digital Ventures nur kurze Zeit später bei Amango investiert, und das erst nachdem Amango sein Geschäftsmodell dem Modell von inVDeo angeglichen habe: Niedrigere Grundgebühren, dafür muss der Kunde die so genannten Traffic-Kosten (Porto) tragen.
Negativ hat sich laut Sommer auch der Rechtsstreit mit dem Konkurrenten DiViDi Entertainment GmbH ausgewirkt. Die auf den Verleih familienfreundlicher Filme spezialisierte DiViDi hatte geklagt, weil sie sich nicht mit den Alterskontrollen abfinden wollte, die inVDeo beim Versand jugendgefährdender Medien anstellte. inVDeo war auch bei mit "FSK 18" gekennzeichneten und somit nicht für Minderjährige geeigneten Filmen zufrieden, wenn sich der Besteller einmal über das PostIdent-Verfahren auswies. Das Oberlandesgericht München stellte später fest, dass das PostIdent-Verfahren beim Versand von Erotik-DVDs nicht ausreichend ist. Vielmehr dürften Internet-Videotheken-Betreiber ihre heiße Ware nur noch als eigenhändig zu übergebende Einschreiben verschicken. "Die dadurch verursachten Mehrkosten haben zum Verlust zahlreicher Kunden geführt", erklärte Sommer gegenüber heise online.
Den verbliebenen Kunden rät Sommer, jetzt nicht überstürzt zu kündigen, da der Geschäftsbetrieb vorerst normal weiterlaufe. In diversen Internet-Foren hatten sich inVDeo-Kunden allerdings beunruhigt darüber geäußert, dass die mit jeder verschickten DVD erhobene Kaution in Höhe von 10 Euro -- DVD-Beitrag genannt -- derzeit nicht zurückgezahlt wird. In einem offiziellen Schreiben bestätigte inVDeo diesen Sachverhalt inzwischen: Alle Auszahlungen unterlägen der Kontrolle eines vorläufigen Insolvenzverwalters. Dieser werde "bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens darüber verfügen, was mit offenen DVD-Beiträgen geschieht". Im Fall einer Insolvenz müssen die betroffenen Kunden also damit rechnen, dass dieses Geld möglicherweise für höher priorisierte Ansprüche verwendet wird. (pmz)