DVB-T im Norden auf Erfolgskurs
Die Verantwortlichen bei den Sendeanstalten erwarten sich von der Fußball-WM 2006 einen weiteren Schub für das "Überallfernsehen"; Anfang Dezember ist nun auch offiziell der Start von DVB-T in Mecklenburg-Vorpommern.
Digitalfernsehen über Antenne per DVB-T wird nach Ansicht der Verantwortlichen bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten immer beliebter. "Die Erfolgsgeschichte geht weiter", sagte der stellvertretende NDR-Intendant und Produktionsdirektor Joachim Lampe am heutigen Freitag in Hamburg. Nachdem sich in der Hansestadt, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein immer mehr Haushalte für die neue Technik entscheiden, sollen demnächst auch Fernsehzuschauer in Mecklenburg-Vorpommern digitale Programme terrestrisch empfangen können. "Zum Nikolaustag, am 6. Dezember, werden wir dort die Programme aufschalten", teilte Lampe nun mit, nachdem erste Berichte über den Starttermin bereits Anfang September aufgetaucht waren. Auch in Niedersachsen soll der Ausbau für eine weitgehend flächendeckende Versorgung weitergehen.
Lampe bedauerte, dass sich an den weiteren Ausbauschritten der öffentlich-rechtlichen Sender die privaten Anbieter nicht beteiligen. "DVB-T ist das ideale Medium für frei empfangbares Fernsehen ohne Verschlüsselung – Free TV. Wir treiben aber den Ausbau auch ohne die Privaten voran", sagte Lampe. Kein Verständnis äußerte der stellvertretende Intendant, dass gegenwärtig die Wettbewerbshüter in Brüssel in einem Verfahren wegen angeblicher Wettbewerbsverzerrung die Entwicklung zu blockieren drohten. "Jetzt haben wir endlich einmal in Deutschland eine Erfolgsgeschichte – erfunden übrigens an der Uni Braunschweig – und schon droht aus Brüssel Ungemach."
"Auffallend ist, dass auch viele junge Leute die Möglichkeiten von DVB-T nutzen", sagte Lampe. Terrestrischers Digitalfernsehen, auch "Überallfernsehen" genannt, kann nicht nur per Zusatzgerät über jeden herkömmlichen Fernseher, sondern auch auf dem Computer oder einem tragbaren Laptop empfangen werden. "Besonderer Vorteil ist, dass neben den Rundfunkgebühren und einmaligen Anschaffungskosten für den Zusatz keine weiteren Kosten entstehen", betonte der NDR- Produktionsdirektor im Vorfeld einer Tagung im NDR-Funkhaus Hannover am kommenden Montag.
Einen weiteren Nachfrageschub erwartet er zur Fußball- Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. "Gerade dann werden viele nach Möglichkeiten suchen, die Spiele zu verfolgen, ohne an den heimischen Fernseher gebunden zu sein. Mit DVB-T ist das möglich – im Garten, im Auto, im Segelboot." Bislang ist DVB-T vor allem in den Ballungsräumen empfangbar. Angestrebt ist ein flächendeckender Ausbau von rund 90 Prozent.
Im Bereich des NDR werden nach Angaben des Senders bereits die Regionen Hamburg/Lüneburg, Hannover/Braunschweig, die Bremer Umgebung, Lübeck, Kiel und Flensburg mit DVB-T versorgt. Allein in Niedersachsen empfangen nach Lampes Worten acht Prozent aller Zuschauer, die digitale Programme nutzen, die Sender über Antenne. Nach einer Versorgung von rund 90 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern ab 6. Dezember kommen vom 14. Dezember an die Regionen Osnabrück, Lingen und voraussichtlich Göttingen hinzu. Der weitere Ausbau soll bis 2008 abgeschlossen sein. Auch in zahlreichen anderen Bundesländern ist DVB-T überwiegend in den Ballungsräumen bereits zu empfangen. (dpa) / (jk)