iRobot geht ins Krankenhaus
Der kommerzielle US-Roboterhersteller tut sich mit dem Telemedizin-Spezialisten InTouch Health zusammen.
- David Zax
Der kommerzielle US-Roboterhersteller tut sich mit dem Telemedizin-Spezialisten InTouch Health zusammen.
Die iRobot Corporation, Hersteller des populären Staubsaugerroboters Roomba und zahlreicher anderer Automaten für kommerzielle Anwendungen, steckt insgesamt 6 Millionen US-Dollar in InTouch Health, eine Telemedizin-Firma, die ihre Systeme in 80 Krankenhäusern weltweit installiert hat. Obwohl die Investition nur zu einer Minderheitsbeteiligung führt, handelt es sich doch um einen signifikanten Betrag. Die beiden Firmen kennen sich schon länger: Bereits im vergangenen Sommer hatten beide ein gegenseitiges Entwicklungs- und Lizenzierungsprogramm vereinbart. Nun soll es schnell ausgebaut werden.
Obwohl der Roomba iRobot erst weltweit bekanntgemacht hat, handelt es sich bei den Haushaltsrobotern doch nur um einen kleinen Geschäftsbereich des Unternehmens aus Bedford, Massachusetts. Die meisten Mitarbeiter sind mittlerweile für Projekte aus Militär und Industrie tätig – etwa dem Packbot 510, ein Roboter, der sogar Bomben entschärfen kann. Die Modellreihe wurde zudem schon in Katastrophengebieten eingesetzt, unter anderem im havarierten Kernkraftwerk Fukushima.
iRobot ist also bereits breit aufgestellt – und mit 465 Millionen Dollar, die im letzten Jahr umgesetzt wurden, generiert man bereits ordentlich Cash. Der Gesundheitsbereich soll nun das nächste größere Geschäftsfeld werden. InTouch gilt Branchenbeobachtern dabei als guter Partner. "Das liegt auch daran, dass die Firma einer der ersten Hersteller ist, der von der Aufsichtsbehörde FDA eine Zulassung im Bereich Telemedizin erhalten hat", sagt iRobot-Chef Colin Angle.
Welche konkreten Produkte die Partnerschaft bringen wird, ist bislang noch nicht kommuniziert worden. Doch Angle und sein Team liefern bereits erste Hinweise. So ist denkbar, dass man künftig auf die iRobot-Ava-Plattform setzt, einen Telepräsenz-Roboter, der zu Tablet-Computern kompatibel ist.
Bei der Zusammenarbeit mit InTouch gehe es auch darum, Telemedizin-Automaten nutzerfreundlicher zu machen, sagt Angle. Die Systeme, die InTouch derzeit verkauft, eignen sich nicht für jede Patientensituation und scheinen momentan vor allem Ärzte anzuziehen, die den Geek-Appeal der Technik schätzen. "Solche Roboter müssen nutzerfreundlicher werden, um damit eine breitere Zielgruppe an Medizinern anzusprechen", sagt Angle. "Da geht es nicht nur um Technikfans."
Der Bereich der Gesundheitsrobotor wirkt allerdings mittlerweile fast überlaufen – zumindest überbieten sich die Firmen mit Prototypen. Toyota zeigte kürzlich eine Art robotische Krankenschwester sowie Geräte, die behinderten Menschen das Laufen wieder ermöglichen sollen. iRobot will vor allem seinen guten Ruf und seine Marke nutzen, um hier noch durchzudringen. Die Technik von InTouch, die in wichtigen Kliniken bereits bekannt ist, tut ihr übriges.
iRobot-Boss Angle gibt sich jedenfalls optimistisch. Er schaut sogar bereits auf den nächsten, potenziell noch lukrativeren Markt neben professionellen medizinischen Einrichtungen: die heimische Pflege. "Wenn wir bewiesen haben, dass diese Technik im Krankenhaus funktioniert, werden wir versuchen, die Kosten so weit zu senken, dass sich die Geschäftsmodelle auch auf den Heimmarkt übertragen lassen." In einer nicht allzu fernen Zukunft könnten medizinische Telepräsenz-Roboter also nicht nur zum Standard in professionellen Pflegeeinrichtungen werden, sondern auch zu Hause. Und wer weiß, vielleicht gibt es dadurch auch eine Renaissance einer anderen, mittlerweile selten gewordenen medizinischen Praxis: Der tägliche Hausbesuch könnte, vom Telepräsenz-Roboter unterstützt, fröhliche Urständ feiern. (bsc)