Wege in der Grid-Entwicklung

Auf der Veranstaltung "Grid-Computing in NRW" des Fraunhofer SCAI diskutierten Experten ĂĽber die Zukunft des verteilten Rechnens.

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Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti

In der Grid-Entwicklung ist noch eine Menge zu tun. Martin Hoffmann vom Fraunhofer SCAI erläuterte auf der Veranstaltung des Fraunhofer SCAI "Grid-Computing in NRW" in Bonn typische Probleme, die sich beim Aufbau von Grids stellten. Daten seien in der Regel unorganisiert und unzureichend beschrieben. Es gebe zu wenig Datenbanken und zu wenig lokale Zuständigkeiten, was in der Regel zu einem "hohen experimentellen Aufwand" führe. Zwar beschrieben Web Services, wo ein bestimmtes Tool zu finden ist. Doch sei dies nur interessant für Leute, die sich bereits in der Materie auskennen. Wichtig sei jedoch zu erfahren, welche wissenschaftlichen Fragen ein Tool lösen kann. Ein Ontologie-basierter Grid-Service könne beschreiben, welcher Service was tut und für welchen wissenschaftlichen Zweck er taugt.

Bei künftigen Grids müsse außerdem die Interoperabilität der Daten innerhalb eines Workflows gewährleistet werden. "Wir brauchen einen flexiblen Datenzugriff, nicht einen rein lesenden, sondern auch einen schreibenden Zugriff", forderte Hoffmann. "Wir brauchen eine semantisch höherwertige Beschreibung der Services und Workflows. Neue Beschreibungssprachen und Serivce-Ontologien zur Beschreibung der Semantik müssen entwickelt werden."

Mittlerweile versuchen einige Grid-Projekte an der Universität Bonn einige dieser Probleme zu lösen. Im Bereich der verteilten Geoinformationssysteme versucht ein XDA-Projekt bei integrierter Sicht die Nutzung verschiedener Modelle sowie das Lesen und Schreiben der Daten zu ermöglichen. In der Bioinformatik will das IRIS-Projekt (PDF) heterogene Services auf automatische Weise kombinieren. Das PeerSy-Projekt (PDF) will Suchhistorien einzelner Peers in ein System integrieren, um Anwendern, die im gleichen Kontext arbeiten und forschen, schneller relevante Informationen liefern zu können. In der Bauinformatik zielt das DFG-Projekt CoBE auf den flexiblen Austausch von Anwendungen während der Laufzeit.

Das größte europäische Grid-Projekt ist derzeit SIMDAT. Hier arbeiten Experten aus der Automobil-, der Pharma- und der Luftfahrtindustrie zusammen, um grundlegende Techniken für das Grid-Computing zu entwickeln. Die Europäische Kommission fördert es über vier Jahre mit 11 Millionen Euro, koordiniert wird es vom Fraunhofer SCAI.

Max Lemke von der DG Informationsgesellschaft der EU-Kommission stellte fest, dass es in der EU bereits eine starke Grid-Development-Community gebe, die eine führende Position in der anwendungsnahen Forschung einnehme. Er wies aber auch nachdrücklich darauf hin, dass immer noch viele gute Projekte in den Schubladen der Hochschulen endeten. Die EU will deshalb Pilotanwendungen aus Forschung und Entwicklung in verschiedenen Industriebranchen fördern. Bis Ende September läuft noch der 5. IST Call der EU-Kommission mit einem Budget von rund 70 Millionen Euro. Forschungseinrichtungen sollen gemeinsam mit Unternehmen Ideen einreichen.

Siehe dazu auch in Technology Review:

(Christiane Schulzki-Haddouti) / (anw)