Filmdownloads bei Walmart
Der US-Supermarktriese hat sich für ein eigenes Downloadangebot mit den sechs größten Hollywood-Studios zusammengetan.
Wenn die US-Warenhauskette Walmart in das Geschäft mit Filmdownloads einsteigt, wird das, trotz fehlender Erfahrung im Verkauf digitaler Güter, sicher sehr genau beobachtet. CinemaNow, Amazon und iTunes tummeln sich bereits auf dem Markt und werden die Ellenbogen ausfahren, um es dem Offline-Riesen nicht zu leicht zu machen. Doch auch wenn der nicht unumstrittenen Konzern mit seinem Download-Projekt scheitern sollte wie zuvor im DVD-Verleihgeschäft: Der Discounter wird seine Spuren hinterlassen, und wenn es nur bei den Preisen ist.
Ihre schiere Größe alleine macht die Billigkette zu einer ernsthaften Player. Zum Start des heute angekündigten Downloadportals (bald unter walmart.com/videodownloads erreichbar) werden Filme und TV-Serien aller großen Studios erhältlich sein. Warner, Disney, Paramount, Sony, Fox und Universal liefern ihre Inhalte und hoffen, dass Walmart auch online so ein Riesengeschäft macht wie im echten Leben. Denn die mit 1,8 Millionen Arbeitnehmern größte Supermarktkette der USA sorgt nach Angaben von US-Medien alleine für 40 Prozent der DVD-Verkäufe auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Auch wenn Walmart im vergangenen Jahr offline 316 Milliarden US-Dollar umgesetzt hat, im digitalen Business ist der Supermarkt noch ein kleiner Fisch. Walmart ist daran gewöhnt, bei allem die Nummer eins zu sein, und schafft das über Masse und Preis. Dennoch läuft der Laden zum Start nicht gerade mit Kampfpreisen auf, viel billiger als bei der Konkurrenz lädt man auch bei Walmart nicht herunter. Ältere Filme gibt es ab 7,50 US-Dollar. Aktuelle Fernsehserien kann sich der Kunde für 1,96 US-Dollar ansehen, bei Amazons Unbox kostet das 1,99 US-Dollar.
Ein aktueller Filmdownload soll zwischen 12,88 und 19,88 US-Dollar kosten (9,90 bis 15,20 Euro) und ist damit nicht viel billiger als die Silberscheiben im Laden. Das ist offenbar Teil des Deals mit der Filmindustrie wie auch die Einhaltung der Verwertungskette. Den Download gibt es auch bei Walmart erst, wenn die DVD im Regal liegt. Die Downloads funktionieren nur mit Windows und Internet Explorer sowie auf tragbaren Geräten, die Microsofts DRM unterstützen. Die Filme dürfen einmal auf eine DVD gebrannt werden, die dann allerdings nicht auf einem normalen Player läuft. Besitzer von Apples, iPods oder Linux-Maschinen müssen bei Walmart gleich ganz draußen bleiben. Weitere Einzelheiten zum Shop sind bisher nicht verfügbar, allerdings dürfte sich das Angebot auch ausschließlich an US-Bürger richten.
Überhaupt dürfte es Walmart darum gehen, Downloadkunden auch in die Läden zu locken. Analysten bezweifeln, dass das funktioniert – bei dem gescheiterten Videoverleih haben die Zweifler Recht behalten. Wie das umgekehrt geht, hat Walmart schon einmal ausprobiert: Mit der DVD von "Superman Returns" gab es die Option auf einen Download desselben Films – gegen eine zusätzliche Gebühr. (vbr)