Neue Mobilfunk-Regulierung sorgt für Wirbel in Österreich
Die kleineren Anbieter fühlen sich durch einen Plan der Telekom Control Kommission für die Terminierungsentgelte der Mobilfunk-Netzbetreiber geprellt. Dem Marktführer ist hingegen die Planung zu langfristig angelegt.
Der Plan der österreichischen Telekom Control Kommission (TKK), die Terminierungsentgelte der Mobilfunk-Netzbetreiber ab November 2005 bis Ende 2011 schrittweise auf ein niedrigeres, einheitliches Niveau zu senken, sorgt für Aufregung. Für die Zustellung von Anrufen zu einem Handy erhalten die Netzbetreiber derzeit unterschiedliche Großhandelsentgelte, denn die TKK hat sich bei der Preisfestsetzung bisher an den individuellen, langfristigen Grenzkosten jedes Netzes orientiert. Die Obergrenze wurde bei 19,62 Cent/Minute gezogen. Nun sollen die Entgelte aller Anbieter an die langfristigen Grenzkosten des größten Netzbetreibers herangeführt werden. Die kleineren Anbieter haben höhere Kosten und fühlen sich geprellt, dem Marktführer geht es zu langsam.
Aktuell darf Marktführer Mobilkom Austria 10,86 Cent/Minute netto verrechnen, T-Mobile 13,18 Cent. Bei One liegt der Wert bei 13,80 Cent. 3 darf solange das Maximum von 19,62 Cent verlangen, als seine Kosten nicht darunter fallen, maximal aber bis Mitte 2006. Tele.ring hat sich bereits vor über einem Jahr mit den Konkurrenten auf mehrere Senkungsschritte geeinigt, am 1. April sinkt der Preis von derzeit 15,99 auf 13,80 Cent/Minute. Die reinen Terminierungs(grenz)kosten von Mobilkom (Marktanteil 42 Prozent) und T-Mobile (27 Prozent) wären zwar niedriger, doch erhalten die beiden Netzbetreiber Zuschläge für Externalitäten sowie für Marketing, Endkundenverrechnung, Kundenbetreuung und Endgerätesubventionen. Diese Zuschläge sollen wegfallen. Auf das dann errechnete Preisniveau, das nach Einschätzung von Insidern unter 7 Cent/Minute liegen könnte, werden alle fünf Netzbetreiber in maximal 13 Schritten herangeführt.
Dieser Gleitpfad würde den "überproportionalen Vorteil" der Mobilkom einzementieren, kritisiert tele.ring-Chef Michael Krammer. Er ortet einen "Skandal erster Güte", freiwillige Einigungen unter den Anbietern seien auf dieser Basis unmöglich. Von "einem offensichtlich politisch motivierten Förderprogramm für die großen etablierten Mobilfunkbetreiber -- in erster Linie natürlich für die Mobilkom Austria", spricht 3-Chef Berthold Thoma in einer Aussendung: "Wäre für uns zu erahnen gewesen, wie einseitig sich die österreichische Regulierungspolitik entwickelt, hätte man in keinem Fall Investitionen in Milliardenhöhe getätigt und die damit verbunden Arbeitsplätze geschaffen." Mobilkom Austria hingegen möchte einheitliche Terminierungsentgelte schon 2006. Die in der Multimedia Austria zusammengeschlossenen Kabel-Netzbetreiber wollen überhaupt eine Angleichung der Terminierungsentgelte zwischen Mobilfunk und Festnetz.
Die Regulierungsbehörde argumentiert in einem rechtlich unverbindlichen Papier, dass sie die Aufgabe habe, Wettbewerb nachzubilden, wo dieser nicht von selbst bestehe. Und in einem Wettbewerbsmarkt müssten alle Anbieter unabhängig von ihren Kosten zu gleichen Preisen anbieten. Der Gleitpfad sei ein Kompromiss. Die Weitergabe der Preissenkungen an die Endkunden wird nicht vorgeschrieben werden, da am Endkundenmarkt Wettbewerb herrscht. Und dieser soll für eine Senkung der Tarife sorgen. Die aktuellen Tarife zeigen indes, dass die einzelnen Preise für aktive Gespräche keineswegs von den tatsächlichen Kosten abhängig sind. Dies könnte in Zukunft auch für die Erlöse aus passiven Telefonaten gelten. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)