Ungewisses Marktpotenzial für Stratosphären-Plattformen
Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag hat einen Sachstandsbericht zu High Altitude Platforms als fliegende Relaisstationen vorgelegt.
Theoretisch könnten High Altitude Platforms (HAPs) als fliegende Relaisstationen für die Telekommunikation aus großer Höhe ganze Städte und Regionen versorgen -- ein Konzept, das Hochfrequenztechniker für eine äußerst attraktive Alternative zu terrestrischen Kupfer- und Glasfaserkabeln halten. In großer Höhe von 20 bis 25 Kilometern in der Stratosphäre operierende Luftschiffe könnten schweben, ohne Energie zu verbrauchen, und im Gegensatz zu Kommunikationssatelliten wären sie zur Wartung, Reparatur sowie Ausstattung mit neuer Hard- und Software rückholbar und wahrscheinlich deutlich billiger. Ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland ließe sich mit etwa zehn solcher HAPs vollständig mit Breitbanddiensten versorgen. Allerdings sind wichtige Technologien wie beispielsweise in den Bereichen Antrieb, Energieversorgung und Hüllenwerkstoffe noch weit von einer Einsatzreife entfernt.
Zu dieser Einschätzung kommt das Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag in einem jetzt veröffentlichten Sachstandsbericht, der die Potenziale der "Leichter-als-Luft"-Technologie zusammenfasst. "Da gibt es noch eine Menge an fast schon Grundlagenforschung zu tun, um so ein Ding überhaupt bauen zu können, das dann 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr in 20 Kilometer Höhe operieren kann", erklärt Reinhard Grünwald, einer der Autoren des TAB-Berichts, gegenüber heise online.
Die hohen Risiken und Kosten der Entwicklung sind denn auch das primäre Markthemmnis, heißt es in der Studie (PDF). Ein Risikofaktor ist insbesondere der Faktor Zeit: Aufgrund der langen Entwicklungszeiten könnte sich die Marktlücke schnell schließen, weil in der Zwischenzeit der Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur dynamisch voranschreitet. Als Einsatzfeld blieben HAPs dann nur noch die Entwicklungs- und Schwellenländer mit einer weniger gut ausgebauten Infrastruktur.
Anders schätzen die Experten, die zu dem Sachstandsbericht beitrugen, den "Überwachungsmarkt" ein. Hier konkurrieren Stratosphären-Plattformen vor allem mit Satelliten und unbemannten Aufklärungsflugzeugen oder Drohnen. Im Rahmen der "Homeland Defense" ziehen die USA den Einsatz von HAPs zur Grenzüberwachung in Erwägung. Einer Konzeptstudie des US-Verteidigungsministeriums zufolge würden dazu zehn Höhenluftschiffe ausreichen. "Die Tatsache, dass die USA in diesem Feld eine Reihe von offenbar aufeinander abgestimmten militärischen Entwicklungsprogrammen betreibt, lässt vermuten, dass das Thema eine hohe Priorität erhalten hat", heißt es im TAB-Bericht. Viele Experten sähen jedoch auch eine Chance darin, "dass eine militärisch getriebene Basisentwicklung einen Technologie-Push auslösen könnte, der auch der zivilen Anwendung neue und erweiterte Perspektiven eröffnen könnte". (Richard Sietmann) / (anw)