Berlinale: Wenn Viele Filme finanzieren
Crowdfunding, die Finanzierung durch viele Geldgeber über das Internet, das zeigt sich im Rahmen der Berlinale, etabliert sich mehr und mehr als Alternative und Ergänzung zu klassischen Finanzierungsformen.
Crowdfunding, die Finanzierung durch viele Geldgeber über das Internet, etabliert sich mehr und mehr als ernstzunehmende Alternative und Ergänzung zu klassischen Finanzierungsformen. So feiert im Rahmen der Filmfestspiele die 7,5 Millionen Euro teure Science-Fictionkomödie Iron Sky ihre Premiere, die bisher größte Produktion mit dieser Finanzierung. Bei Iron Sky zeigt sich, dass Crowdfunding nicht nur für die Finanzierung vorteilhaft sein, sondern auch enorme Marketingeffekte haben kann. Denn 20 Minuten nachdem der Berlinale Kartenvorverkauf online ging, waren die Premiere und drei der vier weiteren Vorstellungen während des Festivals bereits ausverkauft.
In den Potsdamer Platz Arkaden, der zentralen Vorverkaufsstelle der Berlinale, kann man bis zum 19. Februar im Rahmen der Ausstellung "Das Kino Gestern und Morgen" das Anfang Februar gestartete deutsche Crowdfunding-Portal, epitch-filme.de, und seine Macher kennenlernen. GegrĂĽndet wurde diese Platform von dem Werber, Krimi- und Drehbuchautor Marcus Murken, seiner Frau und dem befreundeten Filmemacher Bartosz Werner.
Zusammen mit Bartosz Werner hat Murken auch das erste Projekt eingestellt und einen Trailer dazu gedreht. Bei "Am Arsch der Welt" geht es um den Lokaljournalisten Max, der ziemlich frustriert ist von seiner Provinzstadt, seinem Job und seinen Beziehungen. Kritik an den Projekten wollen die Betreiber ungefiltert einstellen, sollten User allerdings Exposés, Vorschläge, Zeichnungen und andere Ideen einreichen, behält man sich eine Vorauswahl vor. Zunächst arbeiten die Initiatoren des Start-ups und die sie unterstützenden Firmen gratis.
Langfristig soll sich das Portal durch Werbung und Provisionen bei einer zustande gekommenen Finanzierung finanzieren. AuĂźerdem ist an GebĂĽhren fĂĽr Produktionsfirmen gedacht, die ein Projekt und seine Akzeptanz beim Publikum testen wollen. In der Anfangsphase sollen pro Jahr vier Projekte der Community zur Bewertung und Weiterentwicklung vorgestellt werden. Aber nicht nur ĂĽber den Erfolg der einzelnen Projekte, sondern auch ĂĽber den Erfolg der verschiedenen Crowdfunding-Portale entscheidet letztendlich die Gemeinschaft der Internet-Nutzer.
Ansonsten gibt es während der Zeit der Berlinale noch eine weitere gute Gelegenheit, sich über das Thema Crowdfunding zu informieren. Denn wenige hundert Meter vom Festivalzentrum am Potsdamer Platz entfernt findet am 14.+ 15.2. zum 7. Mal das von der Berlinale unabhängige digitalfilmcamp statt. In diesem Jahr ist die zweitägige Veranstaltung komplett dem Crowdfunding gewidmet. Neben der Präsentation zahlreicher Crowdinvestment-Filmprojekte werden verschiedene Platformen für diese Technik vorgestellt. Weitere Runden behandeln die interne Organisation eines solchen Projekts und es geht um den Nebeneffekt, dass im Verlauf des Verfahrens die Filmemacher das zukünftige Publikum für ihre Film viel besser kennenlernen. (jo)