BitTorrent-Studie: Verzögerte Filmpremieren schaden dem Kino-Geschäft

Laut einer Studie hat die Einführung von BitTorrent keinen statistisch nachweisbaren Rückgang der US-Kinoeinnahmen verursacht. Anders die Lage im Ausland: Je länger das Publikum auf einen Film warten musste, desto weniger Tickets wurden verkauft.

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Laut einer Studie zweier US-Forscher hat die Einführung von BitTorrent keinen statistisch nachweisbaren Rückgang der US-Kinoeinnahmen verursacht. Anders die Lage in anderen Ländern: Je länger das Publikum auf einen Film warten muss, desto weniger Tickets werden verkauft. "Filmstudios sollten die Verzögerungen bei den Filmveröffentlichungen weiter verkürzen", raten die Wirtschaftswissenschaftler, "Insbesondere bei (…) Science Fiction und Action-Filmen."

Die Studie von Brett Danaher und Joe Waldfogel fußt auf den Umsätzen mit Kinokarten der Top-10-Filme aus US-Produktion an jedem Wochenende von Juli 2003 bis Juli 2006 in 17 Märkten. Jeder der insgesamt 678 Filme wurde maximal zehn Wochen lang erfasst. Den Beginn der Verbreitung von BitTorrent setzen die Autoren 2003 an, Ende 2004 sei es bereits das beliebteste P2P-Protokoll gewesen.

Die Forscher konzentrieren sich auf Veränderungen beim natürlichen Einnahmenrückgang eines Films von Wochenende zu Wochenende. Dabei fanden sie im Vergleich der Periode 2003 – 2004 mit 2005 – 2006 keine signifikante Veränderung in den USA. Sie schließen daraus, dass das Bittorrent-Angebot dem Ticket-Umsatz in den USA zumindest nicht stärker schadet, als frühere Verbreitungsmethoden wie etwa Hardcopies.

Außer den US-Kinoeinnahmen untersuchten die Wissenschaftler auch die Auswirkungen auf die Kinoeinnahmen in 16 anderen Ländern, darunter Deutschland. In diesen Märkten war der wöchentliche Einnahmenrückgang schon vor BitTorrent (2003 – 2004) umso schneller, je mehr Zeit zwischen US-Premiere und Start im jeweiligen Land verstrichen war. Im Zeitraum 2003 – 2004 kostete jede Woche Verzögerung 1,2 Prozent beim schließlich erzielten Kartenumsatz.

2005-2006 war dieser Wert nicht nur höher, sondern auch abhängig vom Genre: Bei Science Fiction und Action-Filmen sind es den Daten zu Folge 3,2 Prozent Einnahmenrückgang pro abzuwartender Woche, bei anderen Filmen 1,9 Prozent. Die Forscher glauben dabei an einen Zusammenhang mit zunehmender Verbreitung von BitTorrent; auch weil sie annehmen, dass BitTorrent-Nutzer eher an Science Fiction und Action interessiert sind.

Der Unterschied zwischen den Genres beträgt also 1,3 Prozentpunkte. Würden die Filme praktisch gleichzeitig mit der US-Premiere anlaufen, gäbe es früher eine Alternative zu illegalen Kopien. Statt der in den 16 untersuchten Märkten tatsächlich erreichten 3,28 Milliarden Dollar wären 2005 3,52 Milliarden Dollar erzielbar gewesen. Umgelegt auf die im Jahr 2005 außerhalb der USA verkauften Karten ergab sich also ein Umsatzverlust von etwa sieben Prozent. (jo)