Geeks sollen Glasfaser-Internetzugang zum Erfolg verhelfen

Die US-Stadt Chattanooga sucht weltweit die besten Anwendungen fĂĽr ihr schnelles Glasfasernetz und will damit den bescheidenen Kundenzuspruch verbessern. Den Gewinnern winken Preisgelder bis 100.000 US-Dollar.

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Von
  • Monika Ermert

Die US-amerikanische Stadt Chattanooga sucht die besten Anwendungen für ihr Gigabit-Glasfasernetz. "Stellen Sie sich vor, Bandbreite wäre nicht länger ein Problem", heißt es in der Ausschreibung des Technologie-Rats der Stadt in Tennessee. Mit bandbreitenhungrigen Anwendungen will man das vom städtischen Energieversorgungsunternehmen EPB ausgerollte Hochgeschwindigkeitsnetz auffüllen. 100.000 Dollar Preisgeld winkt dem besten Start-Up, für die beste Entwicklung eines Studierenden gibt es immerhin 50.000 Dollar, und selbst die besten Tippgeber auf Facebook oder Twitter werden mit 1000 Dollar bedacht. Das Rennen sei international, unterstrich Joe Savage vom "Telecom Think Tank", der bei der diesjährigen FTTH-Konferenz in München gestern einen Überblick über die ersten Gigabit-Netze in aller Welt vorstellte.

33.000 Neukunden hat EPB im ersten Jahr für sein Breitband-Angebot gewonnen, und macht damit bei saftigen Preisen dem Kabelbetreiber Comcast und ADSL-Anbieter AT&T Konkurrenz – ein symmetrischer Gigabit-Anschluss mit Telefonieflat kostet rund 350 Dollar pro Monat. Billiger als in Chattanooga gibt es das Gigabit/s derzeit schon von Hong Kong Broadband (36 Dollar) und Sonic in den USA (70 Dollar). In Südkorea soll ab 2012 die private Gigabit-Glasfaserleitung für 27 Dollar zu haben sein.

Mit der Jagd nach den besten Geeks landet Chattanooga nicht nur einen guten Marketing-Gag. Die Stadt versucht damit auch zu beherzigen, was die Experten bei der FTTH Konferenz raten: Zusätzliche Angebote und Dienste sollen Glasfaser aus der Nische holen und den bislang bescheidenen Kundenzuspruch verbessern. Eine Reihe der bereits seit Jahren im Markt aktiven FTTH-Provider bieten mittlerweile Musikdienste wie Spotify oder Deezer an, berichtete Benoit Felten, CEO der Beratungsagentur Diffraction Analysis in München. Takashi Uematsu von NTT verwies auf ein für 5 Euro monatlich erhältliches Help-Desk für Glasfaserkunden, bei dem ein Hotline-Mitarbeiter jeden Bildschirmschritt mit dem ICT-Anfänger durchgehe.

Felten unterstrich in seinem Vortrag, dass der Zuspruch mit der Dauer eines Angebotes im Markt deutlich steige. Nach knapp zwei Jahren liegt die Quote beim schwedischen Anbieter Bredbands Bolaget bei etwa 60 Prozent. Wenn die Kunden einmal einen Gigabit-Glasfaseranschluss nutzten, wollten sie ihn übrigens nie wieder weggeben. Auch ohne Zusatzangebote – das schnelle Netz habe einen hohen Suchtfaktor, kommentiert Felten weiter. (rek)